Futtertierzucht

Auf dieser Seite möchte ich Ihnen möglichst kurz erläutern, wie und welche Futtertiere ich selbst Züchte und einige Details zu diesen nennen. Dabei möchte ich vorab sagen, dass bei der Futtertierzucht viele Wege zum Erfolg führen und nicht jede Zuchtmethode sofort funktioniert. Bis zu einer gut laufenden Futtertierzucht braucht es meist ein wenig Übung und Experimentierfreudigkeit, sowie viel Zeit und Geduld.

Inhaltsübersicht:

1. Drosophila

2. Asseln

Drosophila

Drosophila gelten bis heute als eines der wichtigsten Futtertiere für kleine Amphibien und Reptilien. Die kleinen Fliegen sind sehr einfach und ergiebig in der Zucht, haben jedoch einen Nachteil: Der Nährwert dieser Fliegen ist sehr bescheiden, sie bieten lediglich gesättigte Fettsäuren weshalb sie nicht die erste Wahl bei der Futtertiergabe sein sollten. Allerdings lassen sie sich sehr gut mit Vitamin- und Mineralpulver bestäuben und dadurch aufwerten. Es gibt zwei relevante Drosophila Arten in der Terraristik: Drosophila hydei, von der es auch mehrere Zuchtvarianten gibt wie zum Beispiel die "golden"-Variante und Drosophila melanogaster. Letztere sind sehr klein und eignen sich vorwiegend für kleine Amphibien und Reptilien und deren Jungtiere.

Über die letzten Jahre hinweg testete ich einige Breirezepte, die allesamt das Blaue vom Himmel herab versprachen, aber in meinen Versuchen meist zum Rohrkrepierer wurden. Sei es, weil die Zucht nicht funktionierte, oder weil sich das Herstellen des Breis als zu aufwendig entpuppte. Seit nun vier Jahren verwende ich dieses Rezept, welches ich nachfolgend beschreibe, mit großem Erfolg bei D. hydei und D. melanogaster gleichermaßen.

Die grundlegenden Zutaten bestehen aus gemahlenen Haferflocken, Apfelmus, etwas Trockenhefe und Wasser nach Bedarf. Wenn ich altes Vitamin- oder Mineralpulver übrig habe, wird auch dies mit untergemischt.
Das Mischungsverhältnis für vier 500ml Gläser beträgt 1:2 Haferflocken zu Apfelmus, ausgehend von 50g. Die Menge an Trockenhefe bestimme ich nach Gefühl, es dürfte circa  1g sein. Eben so viel wie nötig, damit der Zuchtbrei ein wenig ‚auf geht‘. Wasser wird so viel unter gemischt, wie sich ein leicht zähflüssiger Brei bildet. Ich rühre das Gemisch stets in einem 1L Becher an, der dann einige Stunden an einen warmen Ort gestellt wird. Drosophilalarven ernähren sich in erster Linie von Hefen und Bakterien, die z.B. Obst zersetzen, weshalb eine hohe Dichte solcher Mikroorganismen sich positiv auf die Reproduktionsrate auswirkt. Apfelmus, sowie Mineral- und Vitaminpulver dienen lediglich dazu die fertig entwickelten Fruchtfliegen zu ernähren, womit eine hohe Reproduktionsrate und Vitalität erzielt wird. Nicht mehr. Das Einbringen von weiteren Früchten, Fruchtsäften und allem anderen ist weder nötig, noch zuchtfördernd.

Vom Kostenfaktor einmal ganz abgesehen. Sobald der Brei aufgegangen ist, rühre ich nach Bedarf noch einmal etwas Wasser unter, da die gemahlenen Haferflocken nach dem ersten Anrühren viel Wasser aufnehmen.
Den Brei fülle ich etwa einen Zentimeter hoch in die Gläser ein, für gewöhnlich geht der Brei mengentechnisch genau für vier Gläser (je zwei für D. melanogaster bzw. D. hydei) auf. Das restliche Prozedere ist, denke ich, bekannt. Holzwolle einfüllen, Fliegen einbringen und warten.
Bei der Zucht setzte ich bewusst auf 500ml Glasbehälter, anstelle der Pendants aus Kunststoff. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die Zucht in Glasbehältern erheblich besser und stabiler funktioniert. Zum einen verhindert das im Vergleich zur Raumtemperatur kühle Glas ein schnelles austrocknen des Zuchtbreis und dämpft zum anderen aufgrund seiner schlechten Wärmeleiteigenschaften Temperaturschwankungen ab. Außerdem sind die Gläser erheblich einfacher zu reinigen. Die Entwicklungszeit der Zuchten pendelt bei D. melanogaster zwischen zwei und vier, bei D. hydei zwischen drei und fünf Wochen. Meine Zuchten stehen Sommer wie Winter unter den Terrarien, weshalb sich die Entwicklungszeit im Sommer verkürzt und im Winter meist um eine Woche verlängert. Grob geschätzt stehen die Zuchten Jahreszeit bedingt bei 19-26°C. Einmal die Woche werden neue Zuchtansätze gestartet. Es versteht sich von selbst, dass hierfür dann stets nur Fliegen aus Zuchtgläsern verwendet werden, die am gesündesten und vitalsten aussehen. Probleme mit Schimmel oder Milbenbefall habe ich selten bis gar nicht.

Drosophila hydey Zuchten in verschiedenen Stadien. Rechts ein neuer Ansatz, darauf folgend je eine Woche Entwicklungszeit.

Asseln

Asseln sind, ernährungstechnisch gesehen, wahre Calciumbomben und eines der wichtigsten Futtertiere überhaupt. Während die weißen, tropischen Asseln längst bei vielen Futtertierlieferanten zum Standardsortiment gehören, gibt es noch einige weitere interessante Arten, bei denen sich eine Zucht lohnt um Terrarientiere ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Weiter übernehmen Asseln im Terrarium die Aufgabe der sogenannten „Bodenpolizei“, sie verwerten totes Pflanzenmaterial, Kot und tote Futtertiere, halten so den Bodengrund sauber und dienen den Pfleglingen gleichwohl als Nahrung.

Mit diesem Text möchte ich Ihnen die grundlegenden Bedingungen für die Zucht vieler Asselarten näher bringen. Wenn Sie Asseln als Futtertier in größeren Mengen nachzüchten möchten, müssen Sie sich zunächst ein wenig mit deren Lebensweise beschäftigen. Asseln gehören nicht, wie oft vermutet, zur Gruppe der Insekten, sondern zur Ordnung der Isopoda. Also zu den Krebstieren. Die recht überschaubare Gruppe der Landasseln verfügt nicht über Lungen, sondern über Kiemen die anhaltend feucht sein müssen. Aus diesem Grund finden Sie Asseln auch stets in beschatteten Substratflächen unter Laub, Holz, Steinen oder im Kompost. Eben überall, wo es warm und zugleich feucht ist. Ernährungstechnisch sind Asseln sogenannte Substratverwerter. Das heißt sie ernähren sich vorwiegend von abgestorbenen Pflanzenteilen, Laub, weißfaulem Holz, toten Tieren und Pilzen. Ihr Lebensraum sind hierbei die obersten Zentimeter der Bodenschicht.

Genau dies macht eine Zucht auch so simpel. Hauptgründe für eine schlecht gehende Zucht sind falscher Bodengrund und Zugabe falschen Futters. Es ist nicht zielführend hohe Behältnisse für die Zucht aufzubringen oder als Bodengrund nur auf Kokoshumus bzw. Erde zu setzen. Wichtig für eine gut laufende Zucht sind genügend Lauffläche und eine ausreichende Versorgung mit verwertbarem Material. Ich persönlich verwende Behältnisse mit den Maßen 40x30x18cm (LxBxH) und größer, bei denen Belüftungsflächen mit Metallgewebe (0,55mm Maschenweite) realisiert werden. Als Bodensubstrat kommt lediglich im Herbst gesammeltes Laub zum Einsatz. Bei neuen Behältnissen wässere ich das Laub über Nacht und drücke es dann flach in die Behältnisse. Ich persönlich schichte bei einer Erstbefüllung maximal 4-5cm nasses Laub auf und kontrolliere alle zwei bis drei Tage die Grundfeuchtigkeit. Vor allem Kubaasseln zersetzen das Laub innerhalb kurzer Zeit und sorgen so für eine Humusschicht, in welche sie sich später zurück ziehen können, sollte es etwas trockener werden. Sollte das Laub vollständig verwertet sein, fülle ich erneut 4-5cm nasses Laub ein. Welches Laub Sie verwenden spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Ahorn, Buche und Birke kommen bei mir z.B. mit Erfolg zum Einsatz. Durch den hohen Anteil verwertbarer Biomasse sind die Asseln gut versorgt und benötigen, außer einer regelmäßigen Kontrolle der Feuchtigkeit, nahezu keine Pflege. Dennoch rate ich dazu, regelmäßig dem Besatz entsprechend  zu zufüttern, gerade so viel, wie in drei Tagen von den Tieren gefressen wird. Ich verwende hierzu Orlux Lori, ein Alleinfutter für diverse Ziervögel, welches ein bis zwei Mal die Woche in die Behältnisse gestreut wird. Es enthält viele Vitamine und Spurenelemente, welche den Nährgehalt der Asseln nachhaltig erhöhen. Zudem habe ich mit Orlux Lori kaum bis keine Probleme mit sogenannten Futtermilben. Temperaturtechnisch sind Asseln sehr wärmeliebend. Deshalb halte ich die Behälter möglichst bei 25°C. Optimal stehen die Zuchten auf Aquarien/Terrarienabdeckungen, in Bädern oder im warmen Heizungskeller.
Nach gewisser Zeit steigt die Höhe des Humus an. Nach spätestens 8cm Höhe sammle ich möglichst alle Asseln ab und überführe sie in einen neuen Zuchtbehälter. Der zurückgebliebene Humus ist ideal zur Pflanzenzucht geeignet und wird entsprechend weiterverwertet.

Einer der Nachteile der Asselzucht ist, dass die Vermehrung von Asseln etwas schleppend verläuft. Kellerasseln beispielsweiße sind sehr vermehrungsfreudig, es dauert jedoch sehr lange bis die Jungtiere adult und damit ebenfalls reproduktiv sind. Je nach Asselart unterscheiden sich die Generationszeiten deutlich, dennoch können Asseln nur dann im größeren Umfang verfüttert werden, wenn viele Zuchten vorhanden sind, oder regelmäßig aus dem Kompost und Garten Nachschub gesammelt wird. Daher empfiehlt es sich, je nach Platzangebot, so viele Zuchten wie möglich aktiv zu halten und in den warmen Monaten möglichst nur aus dem Kompost zu verfüttern. Mittlerweile züchte ich hauptsächlich kubanische Asseln, deren Jungtiere an die Frösche verfüttert werden. Diese Asselart ist um einiges aktiver als z.B. die weißen, tropischen Vertreter, die häufig auf Messen und Börsen verkauft werden und daher für Frösche weit attraktiver.