Dendrobates auratus – der Goldbaumsteiger
Es sind wohl 25 Jahre vergangen, seit mein Interesse für Dendrobatidae geweckt wurde. Zu jener Zeit, als es noch die Serie „Wildes Wohnzimmer“ gab und kaum eine andere Art als Dendrobates auratus so stellvertretend für die Familie der Dendrobatidae stand. Sieht man von Dendrobates tinctorius „Azureus“ einmal ab. Schon kurz nach dem Einzug der Bombina orientalis wurde der Traum wahr und die ersten Dendrobates auratus zogen ein. Meine Erfahrungen mit dieser Art nach nunmehr 15 Jahren der Haltung und warum es nach wie vor der perfekte Frosch für den Anfänger ist.
Allgemeines und Merkmale:
Im Allgemeinmund als „Pfeilgiftfrosch“ betitelt, im deutschen fachlich korrekt aber als „Goldbaumsteiger“ bezeichnet, war und ist die Art Dendrobates auratus eine der klassischen Anfängerarten im Bezug auf das Hobby Froschhaltung und gehört mit zu den am besten erforschten Vertretern der Familie Dendrobatidae. Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes haben sich evolutionär eine Vielzahl an Inselpopulationen gebildet, was Dendrobates auratus im Erscheinungsbild äußerst variabel und optisch attraktiv erscheinen lässt. Von der klassisch grün dominierten Färbung über diverse Blautöne, gelb, überwiegend schwarz bis hin zu braun-bronzefarbenen Lokalvarianten reicht das Spektrum der je nach Lokalpopulation und Literaturquelle zwischen 25 mm und 55 mm groß werdenden Art. Dem Erscheinungsbild verdankt die Art auch ihren wissenschaftlichen Namen. „Auratus“ bedeutet frei übersetzt „vergoldet“ und nimmt Bezug auf die Lokalvarianten, die im Sonnenlicht dank ihrer Pigmentierung bronzen bis matt-gold erscheinen, während sich die Gattungsbezeichnung von „dendro“ (=Baum) und „bates“ (=Läufer) ableitet. In Kombination wurde daraus die Bezeichnung Baumsteiger oder -läufer in Anlehnung an die teils arboreale Lebensweise der Gattung. Die Art gilt allgemein als einfach zu halten und pflegeleicht, seit vielen Jahren werden diverse Lokalpopulationen erfolgreich in Gefangenschaft gezüchtet und auch einige Farbzuchtvariationen haben ihren Weg in die Haltung gefunden.
Das allgemeine Erscheinungsbild zeichnet sich durch eine glatte, variabel gemusterte Haut und einem kompakten, gedrungen-abgeflachten Körperbau aus. Die Pupillen horizontal, kurze, rundliche Schnauze. Der Kopf mit seitlich, leicht hervorragend stehenden Augen geht nahtlos in den Rumpf über. Die Extremitäten sind kurz und schlank. Die Füße besitzen keine Schwimmhäute, die Zehen gehen insbesondere an den Vorderbeinen in für die Gattung charakteristische, vergrößerte Haftscheiben über, welche bei adulten Männchen auffallend größer sein können. Adulte Tiere weißen mit voranschreitendem Alter einen gut erkennbaren „Tinctorius-Buckel“[1] auf. Weibchen sind in der Regel etwas größer und korpulenter.
Die Art gilt Stand 2020 [2] aufgrund ihres großen Verbreitungsgebietes, der Anpassungsfähigkeit gegenüber dem Habitat und der großen Populationsgrößen als nicht gefährdet. Dennoch schrumpfen die Bestände seit vielen Jahren durch Rodung und Verschmutzung, wodurch einige der Lokalpopulationen verloren gegangen sein dürften oder nie entdeckt wurden. Die Listung im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES Anhang II) erfolgte im Jahr 1987 für die gesamte Gattung Dendrobates. Gemäß Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) ist die Art seit 1998 besonders geschützt. Es gilt Buchführungs-, jedoch keine Meldepflicht in Deutschland. Beim Erwerb ist grundsätzlich auf einen Nachweis über die legale Herkunft zu bestehen. Bei guter Pflege können Goldbaumsteiger verhältnismäßig zu ihrer Größe sehr alt werden. Die Literatur macht Angaben die bis zu 18 Jahren reichen. Meiner persönlichen Erfahrung nach und den vielen Gesprächen mit alteingesessenen Haltern folgend beträgt die typische Lebenserwartung acht bis zehn Jahre im Mittel. Meiner Erfahrung nach sieht man den Tieren das Alter für gewöhnlich nicht an. Bei alten Tieren ist daher verstärkt mit plötzlichem Tod zu rechnen.
Verbreitung und Lebensraum:
Das Verbreitungsgebiet ist je nach Quelle sehr ausführlich eingegrenzt und erstreckt sich vom südlichen Nicaragua über Costa Rica, Panama bis ins nördliche Kolumbien und diversen Inseln. 1932 wurde die Art auf Oahu (Hawaii) bewusst ausgesetzt und zumindest nach DUERR & HIRAYANA (2002) auch auf Maui (Hawaii) gesichtet. Die Art kommt nach SAVAGE (2002) in Costa Rica und Panama in Höhen bis 800 Meter ü. NN., bei El Copé laut BIRKHAHN (1994) sogar bis in 1450 Meter ü. NN. vor. Das Verbreitungsgebiet auf Oahu beschränkt sich auf das Manoa Tal (u.a. McKEOWN, 1996 & WALLS, 1998) wo die Tiere bis heute regelmäßig entlang der Talflanken und auch in Gärten gesichtet werden.
Die Habitate sind ausführlich durch diverse Facharbeiten und Reiseberichte dokumentiert. Da Dendrobates auratus äußerst anpassungsfähig und eher Generalist als Spezialist hinsichtlich der Ansprüche ist, bietet sich ein sehr diverses Bild bezüglich der Vorkommen. So finden sich Populationen sowohl in tropischen Primär- und Sekundärwäldern, Galeriewäldern entlang von Flüssen und Bächen wie auch in durch Menschen geprägten Landschaften entlang von Siedlungen und Plantagen. Auch in Gärten, Parkanlagen und im Randbereich von Müllkippen sind die Frösche teils sehr zahlreich vertreten. So lange dauerhaft feuchte Rückzugsmöglichkeiten und eine ausreichende Anzahl Wasseransammlungen für die Aufzucht der Quappen vorhanden sind scheint Dendrobates auratus wenig weitere Ansprüche an seine Umwelt zu stellen. Seinem natürlichen Naturell entsprechend bewohnt der Goldbaumsteiger vorwiegend die Bodenschicht der Habitate und ist zwischen Laub, Steinen und Wurzelwerk zu finden unter welchen sich insbesondere die pazifischen Populationen während der Trockenzeit in großer Anzahl zurück ziehen um dem austrocknen zu entgehen. Es wurden aber auch Tiere in den Baumkronen nachgewiesen (SAVAGE, 2002 & MAYER, E. Pers. Mitteilung 2009), wo Bromelien zur Aufzucht der Quappen dienen. Dieser Genrealismus macht den Goldbaumsteiger auch zu einem sehr einfach zu haltenden, unkomplizierten Haustier.
Verhalten:
Allgemein verhalten sich Dendrobates auratus eher unauffällig und vermeiden exponierte Bereiche, in denen sie als Beutetier leicht auszumachen sind. Zwischen den verschiedenen Populationen variiert die Scheue dabei. So scheinen Populationen von der pazifischen Seite des Kontinents etwas scheuer als die Vertreter der karibischen Seite zu sein (BIRKHAHN ET AL., 1994). Die etwas geringere Zeigefreudigkeit der pazifischen Populationen wird unter anderem in der von Januar bis April andauernden Trockenperiode begründet, in der sich die Tiere bis tief in Erdhöhlen, unter Wurzeln und Steinspalten zurück ziehen. Diese Phase fehlt entlang der deutlich feuchteren Karibikseite. Wobei sich davon unabhängig die exponierte Lebensweise auch über das Vertrauen in die Tarnung oder Abschreckung definiert. So wird einigen in ihrer Farbgebung grün und blau dominierten Vertretern der Art eine eher verstecktere Lebensweise zu gesprochen als den in der Laubschicht deutlich besser getarnten braun-bronzen oder schwarz dominierten Lokalvarianten (Beobachtung im Biotop von MAYER, E. Pers. Mitteilung 2009 & TITTEL, H. 2011 auf Nachfrage). Bei starker Hitze und Trockenheit ziehen sich die Tiere gerne zurück während sie nach Regenschauern deutlich an Aktivität gewinnen. Dieses Verhaltensmuster zeigt sich auch in der Terrarienhaltung ausgeprägt. Den Ruf des scheuen, selten zu sehenden Frosches trägt der Goldbaumsteiger jedoch völlig zu unrecht. Zwar kann auch ich einige teils deutliche Unterschiede in Flucht- und Aktivitätsverhalten zwischen verschiedenen Lokalvarianten beobachten, die allzu versteckte Lebensweise aber nicht bestätigen. Fühlen sich die Tiere sicher, sind sie insbesondere am frühen Morgen und späten Nachmittag ausgiebig unterwegs, suchen nach Futter und können auch an exponierten Plätzen, z.B. Im Lichtkegel der UV-Beleuchtung beobachtet werden. Wird frisch Futter in das Terrarium gegeben, so kennen die Frösche für gewöhnlich kein Halten mehr und ignorieren die vor dem Terrarium stehende Person weitestgehend, sofern keine hektischen Bewegungen ausgeführt werden. Fühlen sich die Tiere gestört, so ziehen sie sich sofort in dunklere, geschützte Bereiche, Fotodosen und Kokoshöhlen zurück. Hohe Luftfeuchtigkeit und Wassereintrag führt zu einer deutlichen Aktivitätssteigerung allgemein.
Innerartlich scheint es in den Habitaten unterschiedliche Verhaltensmuster bezüglich Revierbildung und Duldung anderer Artgenossen zu geben. So berichtet OSTROWSKI von standorttreuen, häufig paarweise anzutreffenden Tieren auf der Karibikseite, zugleich aber von zahlenmäßig großen Populationen auf engem Raum in der karibischen Provinz Veraguas (Panama). Demgegenüber wird pazifischen Populationen eine größere, innerartliche Aggressivität während der Regenzeit und hoher Populationsdichte auf engem Raum während der Trockenzeit (BIRKHAHN ET AL., 1994 & MAYER, E. Pers. Mitteilung 2009) zugesprochen. Dendrobates auratus wird jedoch allgemein in Habitatbeobachtungen nicht als innerartlich aggressiv oder dominant territorial beschrieben (u.a. WELLS, 1978). Für die Terrarienhaltung gilt ähnliches, wobei hier häufiger während der Balz innerartliche Reibereien zu beobachten sind wenn in einer Gruppe ein Geschlecht zahlenmäßig dominiert und um ein einzelnes Männchen oder Weibchen gerungen wird. Dabei kommt es zu kurzen, teils etwas ruppigen Ringkämpfen, bei denen versucht wird den Kontrahenten durch körperliche Überlegenheit zu verjagen. Gleichwohl konnte ich auch Männchen beobachten, die mit diesem Verhalten Weibchen von frisch abgelegtem Laich fern halten wollten. Wenn nur ein Männchen in einer Gruppe vorhanden ist konnte ich bereits Weibchen dabei beobachten, wie sie den Laich aus fremder Verpaarung fraßen um das Männchen zur erneuten Balz zu animieren.
Zusammenfassend konnte ich nach vielen Jahren der Haltung aber nur eine Hand voll innerartlicher Auseinandersetzungen beobachten, die sich auf kurzes Ringen beschränkten. Genügend Rückzugs-, Laich- und Absetzmöglichkeiten für die Quappen haben hier einen großen Einfluss auf die Harmonie einer Gruppe und reduzieren innerartliche Spannungen auf nahezu null. Gegenüber anderen Arten wird Dendrobates auratus als sehr tolerant bis absolut neutral beschrieben. Ich selbst hielt sie viele Jahre mit Epipedobates anthonyi, Epipedobates tricolor, Anolis carolinensis und halte sie mit Gonatodes a. fuscus, seit einiger Zeit auch mit Oophaga pumilio bzw. Ranitomeya imitator zusammen ohne nennenswerte Änderungen im Verhaltensmuster berichten zu können. Die Terrarien sind jedoch entsprechend groß und eingerichtet, dass sich die Tiere aus dem Weg gehen können, wobei sie meist mit anderen Fröschen zusammen auf Futtersuche beobachtet werden können. Der wohl kurioseste Anblick war ein zur Balz rufendes Dendrobates auratus Männchen, auf dessen Rücken ein ebenfalls zur Balz rufendes Ranitomeya iminator Männchen saß. Beide schienen sich nicht aneinander zu stören. Da Gonatodes a. fuscus ebenfalls eher zurückhaltend sind haben sich deren Wege selten gekreuzt, während A. Carolinensis hin und wieder durchaus eine Fluchtreaktion hervorrufen konnte wenn sie den Tieren zu nahe kamen. Allerdings hatten einige der Goldbaumsteiger auch kein Problem damit sich neben die Echsen zu setzen und im Lichtkegel der UV-Beleuchtung zu verweilen. So harmonisch Goldbaumsteiger auch sein mögen, so sehr rate ich Anfängern von einer Vergesellschaftung ab. Was bei mir funktioniert, ist kein allgemeingültiger Standard in diesem Sinne. Auch sollten die Tiere nicht mit deutlich dominanteren Arten, die die exakt gleiche Nische bewohnen vergesellschaftet werden.
Froschrufe:
Wie bei vielen Amphibien dienen auch beim Goldbaumsteiger Lautäußerungen hauptsächlich als fortpflanzungsbiologisches Signal. Männchen rufen insbesondere während der Brutsaison häufig von erhöht liegenden Verstecken aus unregelmäßig über den Tag hinweg. Teilweise können auch spät nachts Rufe vernommen werden. Die zwei bis fünf Sekunden andauernden, sehr knarzend klingenden und relativ leisen Rufe dienen vornehmlich der Werbung um ein Weibchen. Ebenso können Männchen einen sehr leisen, brummenden Ruf abgeben, der meiner Beobachtung nach dem Abstecken von Revieren bzw. der Signalisierung von Desinteresse dient. Weibchen sind nicht in der Lage sich akustisch zu äußern.
Haltung im Terrarium:
Wenn Sie im Internet nach der Haltung von Dendrobates auratus recherchieren, werden Sie feststellen dass hier viele Wege ans Ziel führen. Wie eingangs besprochen ist die Variabilität der Lebensräume groß, wodurch Goldbaumsteiger mit einer Vielzahl an Situationen gut zurecht kommen solange die wichtigen Parameter Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Rückzugsorte stimmig sind. Eben dies macht diese Art pflegeleicht und unkompliziert. Je älter jedoch Forenbeiträge, Webseiten und Fachartikel werden, desto kleiner werden die Größenempfehlungen für ein Paar oder eine kleine Gruppe und altbacken die Einrichtungstipps. Vieles davon ist überholt und gemäß gemachter Verhaltensbeobachtungen ist aus meiner Sicht auch der klassische 50er Würfel nur das absolute Mindestmaß. Wie bei fast all meinen Tieren rate ich heute zu einer Mindesttiefe von 60, besser 70 cm um den Tieren genügen Rückzugsraum zu geben und zu einer Mindestbreite wie -höhe von 60 cm. Dies ermöglicht nicht nur deutlich mehr Möglichkeiten zur Einrichtung sondern erlaubt den Tieren auch sich ausreichend zu bewegen, zu verstecken und Reviere zu bilden. Zum Heutigen Standpunkt bilden die Maße 60x70x70 cm (LxBxH) die kleinsten dauerhaften Behausungen meiner Dendrobates auratus in der ich bis zu sechs adulte Tiere sowie hin und wieder deren Nachzuchten beherberge. Die Temperaturen im Terrarium pendeln abhängig von der Jahreszeit zwischen 19°C in schattiger Bodennähe (Winter) über 22°C – 25°C im Rest des Terrariums bis hin zu 33°C (Sommer) in der Mittagszeit im Lichtkegel der HID Beleuchtung. Zwar unterscheiden sich in der Natur die Komfortzonen hinsichtlich der Temperatur bei Hoch- und Tieflandarten, in der Terrarienhaltung hat sich hierbei durch Generationen an Nachzuchten einiges egalisiert. So halte ich sowohl Varianten aus dem Hochland, als auch aus dem Tiefland bei gleichen Bedienungen ohne Unterschiede in deren Verhalten feststellen zu können. Die Luftfeuchtigkeit beträgt je nach Tageszeit zwischen 65 & 90 %. In den Wintermonaten wird lediglich die Beregnungszeit reduziert.
Einrichtung:
Gemäß der Habitat Beschreibung empfiehlt sich eine Einrichtung, die typisch der untersten Waldregion entspricht. So bieten Aufbauten aus Basalt- und Granitsteinen, in welche Fotodosen eingeklemmt sind, gern genutzte Rückzugsmöglichkeiten während Äste und Wurzeln für mehr Bewegungsraum und unterschiedlichen Abständen zur HID Beleuchtung sorgen. Eine Bepflanzung aus diversen Ranken und Farnen bietet zusätzlichen Sichtschutz und großblättrige Varianten wie Philodendron oder Orchideen bieten zusätzlichen Bewegungsfläche. Bromelien können ebenso mit eingesetzt werden, finden meiner Erfahrung nach bei den Tieren aber keinen nennenswerten Anklang als Ablagestelle für Quappen oder Laich. Die Bepflanzung darf über die Zeit gern dicht einwachsen. Eine schräge Bodenplatte leitet überschüssiges Wasser in einen mit wenigen Millimetern Wasserstand gefüllten Wassergraben ab. Den Bodengrund bildet eine Ufermatte, welche ich heute in fast allen Amphibienterrarien erfolgreich einsetze. Diese wuchert mit der Zeit durch Moos, Ranken und Farne zu und bietet optisch eine dauerhafte, nicht zerfallende Lösung im Vergleich zu althergebrachten Bodenaufbauten mit Drainage, Torf und Xaxim ohne zu versumpfen. Ein paar Tonschalen unter halbierten Kokosnussschalen bieten zusätzlichen Rückzugsraum und potentielle Laichplätze. Laub setze ich nur selten ein und wenn, dann nur an den nicht all zu feuchten Stellen im Terrarium. Nebst feuchten Rückzugsmöglichkeiten muss den Tieren auch trockene Stellen angeboten werden. Der Bodengrund darf nicht dauerhaft durchnässt sein. Andernfalls kann dies zu Hautirritationen oder -schäden führen. Wie für Dendrobatenterrarien üblich findet sich im vorderen Teil ein kleiner Wassergraben. In diesem stehen abhängig von der Jahreszeit wenige Millimeter bis ein Zentimeter Wasser. Das Wasser wird durch die Beregnungsanlage über den Überlauf regelmäßig ausgewaschen. Sollte spätestens mit der Bildung einer Kahmhaut jedoch komplett abgelassen und getauscht werden – oder die Beregnungsmenge wieder erhöht werden.
Technik:
Die Hauptbeleuchtung wird bis zum Einschalten der HID Beleuchtung von 0% auf 100 % auf gedimmt, die HID Beleuchtung ist jeden Tag (im Winter jeden zweiten bis dritten) von 10:30-14:30 aktiv. Ab dann dimmt die Beleuchtung wieder linear herunter. Die Beleuchtungsdauer beträgt je nach Jahreszeit 9-12 Stunden. Zum Einsatz kommen sowohl 35 W als auch 70 W HID Strahler. Die Beregnungsintervalle und Zeiten richten sich nach Bauchgefühl. Drei Intervalle pro Tag sind Standard, unabhängig von der Jahreszeit. Hinsichtlich der Wassermenge spiele ich lediglich mit den Zeiten, abhängig von Jahreszeit und Terrariengröße. Die Menge an Beregnungsdüsen ergibt sich durch ausprobieren und Einrichtung. Hin und wieder sprühe ich von Hand nach, vor allem im etwas trockener gehaltenen Winter. Eine automatische Beregnungsanlage gehört zur Mindestausstattung an der Sie ebenso wenig wie an der HID Beleuchtung sparen sollten. Eine regelmäßige UV-Versorgung ist unerlässlich für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere.
Ernährung:
Wie bei allen Tieren spielt auch bei Goldbaumsteigern eine ausgewogene Ernährung eine wichtige Rolle. Magenuntersuchungen von wildlebenden Tieren belegen, dass ca. 80% der Diät Ameisen und Termiten ausmachen. In der Terrarienhaltung hat sich vielfach Drosophila hydei und Drosophila melanogaster als essentielle Nahrungsgrundlage durchgesetzt. Grundsätzlich bevorzugen Dendrobatidae eher weiche Nahrung und verschmähen Insekten mit hartem Chitinpanzer, wie größere Schaben, Asseln und Käfer. Bohnenkäfer werden zögerlich in kleinen Mengen angenommen, hierzu bitte die Thematik über die Eignung als Futtertier beachten. Drosophila allein sind jedoch kein ausreichendes Futtermittel. Eine Ergänzung durch Mikroheimchen, Blattläuse, Springschwänze, Ofenfischchen und sehr kleinen Schabenarten ist unablässig. Kleine Asselarten werden hier und da ebenfalls gerne angenommen. Vitamin- und Mineralpulver gebe ich bei jeder Fütterung mit. Gefüttert wird je nach Jahreszeit und Ernährungszustand der Tiere zwei bis vier Mal die Woche in annehmbarer Menge. Besser weniger und öfter als zu viel auf einmal.
Zucht und Aufzucht:
Ich persönlich habe die Zucht von Dendrobates auratus nie aktiv forciert, sprich ich habe deren Laich nie aus dem Terrarium gesammelt und extern gezeitigt. Alle Nachzuchten waren stets Findlinge im Terrarium. Sind also Produkt der Quappenpflege der männlichen Tiere. Das Balzverhalten wird von WELLS (1978) ausführlich beschrieben, für eine detaillierten Einblick empfehle ich Ihnen daher einen Blick in die Ausführungen auf Herrn OSTROWSKIs Website. [3]
Meiner persönlichen Beobachtung nach entspricht WELLS Ausführungen dem Geschehen im Terrarium. Hat sich ein paarungswilliges Paar gefunden, so sucht das Männchen eine passende Eiablagestelle. Dies können Fotodosen, Tonunterteller aber auch glatte Flächen wie überdeckte, stabile Blattwüchse sein. Dort bestreicht das Männchen den Laichplatz mit seinen Spermien, während das Weibchen geduldig daneben verharrt. Im Anschluss legt das Weibchen seine Eier auf die entsprechende Stelle ab und entfernt sich. Ein Gelege umfasst für gewöhnlich fünf bis acht Eier, in seltenen Fällen bis zu zehn. Auch Gelege mit nur ein oder zwei Eiern sind im Rahmen des möglichen, insbesondere nach der Trockenzeit oder bei jungen Weibchen. Die Brutpflege übernimmt das Männchen. Dabei sucht das Männchen regelmäßig nach einem Wasserbad das Gelege auf und hält es mit dem am Körper haftenden Wasser feucht. Die Quappen sind temperaturabhängig nach etwa zwei Wochen bereit zum Schlupf. Das Zucken der Larven animiert das Männchen sich neben diese zu setzen und den After auf den Boden zu drücken. Die Larven schlängeln sich dann über dessen Beine den Rücken nach oben für den Weitertransport. Der Quappentransport findet meistens einzeln in den frühen Morgenstunden statt, vereinzelt konnte ich aber auch drei Quappen auf größeren Tieren sehen. Das Männchen transportiert die Quappen dann in eine für gut befundene Wasserstelle. In meinen Terrarien ist dies meist der Wassergraben im vorderen Terrarienbereich, hin und wieder auch eine Wasser gefüllte Ton- oder Nussschale. Bromelien wurden in all den Jahren nur als absolute Ausnahme angesteuert. Nach dem Absetzen der Quappen ist für das Männchen die Brutpflege beendet.
Im weiteren Verlauf entwickeln sich die Quappen dann von allein. Gemäß Beobachtungen im Habitat ernähren sich die Jungquappen vornehmlich carnivor von ins Wasser gefallenen Insekten oder deren Larven. Diesen Umstand finden die Tiere auch im Terrarium wieder, da im Wassergraben regelmäßig Drosophila und Mikroheimchen durch die Wasseroberfläche brechen. Algen und Bakterienrasen werden ebenso abgeraspelt. Bei Nahrungsmangel oder ausgeprägtem Größenunterschied ist auch Kannibalismus zu beobachten, der im Terrarium auch als Form der natürlichen Selektion dient. Die typische Entwicklungszeit von Quappe zum Landgänger variiert bei mir stark und ist abhängig von Temperatur und Futtersituation. Die Entwicklung variiert dabei innerhalb von 55-70 Tagen, in der die Metamorphose zum fertigen Frosch erfolgt.
Frische Landgänger belasse ich für gewöhnlich noch einige Tage bis Wochen – je nach Besatz des Terrariums – bei den Elterntieren und füttere etwas verstärkt Springschwänze zu. Die Geschlechtsreife stellt sich unter optimalen Bedingungen nach zwölf bis 15 Monaten ein. Bei jungen Tieren ist es, dies als Randinformation, völlig normal dass die Befruchtung der Eier nicht erfolgreich verläuft und erste Gelege verpilzen. Diese Gelege entferne ich nach Möglichkeit aus dem Becken und reinige generell die bekannten Ablagestellen regelmäßig aus Hygienegründen. Ebenso kann sich bei jungen Männchen durch Überforderung oder mangelnder Erfahrung eine Vernachlässigung der Gelege zeigen. Die besten Zuchterfolge stellen sich bei paarweiser Haltung ein.
Variation:
Wie eingangs erwähnt ist Dendrobates auratus sehr variabel in seiner Erscheinungsform. Viele der gehandelten Namen basieren auf den Fundorten der Tiere, beispielsweise „Taboga“ oder „El Copé“. Es sollte sich von selbst verstehen, dass unterschiedliche Lokalvarianten nicht miteinander gekreuzt werden sollten um der Erhaltung dieser keinen Bärendienst zu erweisen. Dennoch haben sich die letzten Jahre einige Variationen in den Handel geschlichen, die auf Selektionszucht basieren. Eine davon ist auch die von mir gehaltene „Super Blue“ Variante. Dies wurde mir, trotz vorheriger Recherche, jedoch leider erst bekannt als die Tiere schon bei mir saßen. Auch bei der tiefblauen „Birkhahn“ Variante dürfte es sich um eine ausselektierte Linie handeln. Grundsätzlich lehne ich die Farbzüchterrei ab und möchte dafür sensibilisieren, dies nicht zu unterstützen. Abseits der „Super Blue“ befinden sich die Lokalvarianten „La Coca“ und „Capurganá“ in meiner Obhut und ich kann auf eine längere Erfahrung der klassischen „Costa Rica Karibikseite“ und „Campana“ zurück blicken. Anders als bei Oophaga pumilio gibt es bis heute keinen wirklich aktuellen, gut recherchierten Guide zu den einzelnen Lokalvarianten. Speziell im deutschsprachigen Raum nicht. Eine erste Übersicht erhalten Sie zwar auf DendroBase, die Variation der einzelnen Lokalvarianten wird dort aber nicht abgebildet. Ansonsten wäre mir nur mal ein „geretteter“ Guide aus dem Dendroboard begegnet [4]. Dieser wirkt relativ akkurat, wenn auch bei manchen Namen abweichend zu den in Europa gebräuchlichen, ist aber nicht vollständig im Vergleich zum schon recht alten Stand auf DendroBase und neueren Lokalfunden. Umgekehrt ist nicht alles, was einen Namen trägt, auch eine echte Lokalvariante. Gerade die grün dominierten Tiere sind in Ton und Musterung teils äußerst variabel, so dass früher (also ganz ganz früher...) aus einem Import von der selben Fangstelle schon einmal vier bis fünf Lokalvariationen ersponnen wurden. Leider konnte ich auch in der wissenschaftlichen Literatur keine wirklich gute Aufarbeitung zu dem Thema finden. Entsprechende Websites, die sich mit den Goldbaumsteigern intensivst beschäftigten, sind leider längst offline gegangen. [5]
Aus meiner Sicht kurioses:
Dendrobates auratus war sehr lange eine der Arten, die überall und in breiter Variabelität zu bekommen war. Mit einer durchschnittlichen Schutzgebühr von 40,-€ dabei auch sehr erschwinglich. Seit etwa 2020 ist davon aber kaum noch etwas zu sehen. Sowohl in Marktheidenfeld, also der Amphibientauschbörse schlecht hin, als auch allgemein werden die Lokalvarianten immer seltener angeboten. Umgekehrt lassen sich Nachzuchten meiner Erfahrung und Beobachtung nach kaum noch vermitteln. Die, die den Umschlag einfahren sind die bekannten, holländischen Händler. Das ist meiner Ansicht nach sehr schade und wird den Tieren nicht gerecht. Weshalb ich Ihnen grundsätzlich anrate, Tiere immer aus privater, seriöser Zucht zu übernehmen und ggf. Dafür auch etwas längere Wartezeiten in Kauf zu nehmen.
Weiterführendes:
[1] Als Tinctorius-Buckel wird der vor allem bei älteren Dendrobates tinctorius das gut sichtbar hervorstehende Rückenknochen bezeichnet, der die Frösche im Anblick „Buckelig“, also stark gekrümmt wirken lässt.
[2] https://www.iucnredlist.org/species/55174/3024941#assessment-information
[3] https://www.dendrobase.de/html/D_dendrobates_auratus.html
[4] https://www.auratus-morphs.jeffravage.com/auratus-morphs/
[5] Die Wichtigkeit von (analoger) Literatur
