Forexterrarien/Kunststoffterrarien

Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht über grundlegende Informationen zu Terrarien aus PVC-Platten, dessen Vorteile und Eigenschaften, sowie einige grundlegende Hinweise zur Verarbeitung. Die Handhabung von PVC Platten war für mich zu Beginn Neuland, lassen sich aber mit der Verarbeitung von OSB und MDF Platten vergleichen. All meine Erfahrungen im Umgang und der Verarbeitung dieses Materials fußen auf Basis des autodidaktischen ‚Learning by Doing‘. Mit jeder neuen Planung, jedem neuen Terrarium und Bauvorhaben versuche ich stets errungenes Wissen und Erfahrungen passend umzusetzen um mich einem noch professionelleren und perfekteren Ergebnis zu nähern.

Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit ‚Forex‘-Platten, empfehle ich Ihnen den Bau solcher Terrarien nur noch unter Verwendung sogenannter PVC Integral-Hartschaumplatten, Handelsname oft ‚Kömacel‘. Diese sind erheblich stabiler, wodurch Sie an vielen Stellen zusätzliche Stabilisierungswinkel wegfallen lassen können. Außerdem haben diese Platten eine pflegeleichtere Oberfläche und sind bei weitem nicht so Kratzempfindlich. Mittlerweile weiß ich auch, dass viele professionelle Terrarienbauer auf eben diese Platten zurückgreifen. Die Bezeichnung „Forexterrarium“ ist an dieser Stelle also nicht selten falsch. Der Mehrpreis im Vergleich zu ‚Forex‘ liebt bei wenigen Euro. Beim Händler meines Vertrauens zahle ich aktuell für Forex 31€/m² und für ‚Kömacel‘, die eben angesprochene Plattenvariante, 39€/m². Diese Platten sind damit sogar noch günstiger als der aktuelle Glaspreis für 4mm Floatglas in unserer Region. welcher sich auf 42€/m² beläuft. Eine Gegenüberstellung zwischen Forex und Kömacel habe ich bereits nachfolgend aufgearbeitet.

Grundinformationen zu Forex

Als ich beschloss neue, möglichst naturnahe Terrarien zu bauen, war die Frage nach dem Material keine leichte. Holz kommt für Tropenterrarien nicht infrage, Glas ist bei den angepeilten Größen zu schwer und schlecht bearbeitbar, Plexiglas/Acrylglas wird mit der Zeit blind, ist teuer und kratzerempfindlich. Die Wahl fiel schließlich auf geschäumte PVC Platten, Handelsname unter anderem ‚Forex Classic‘, welche vorwiegend im Messebau verwendet werden. Nach den ersten Erfahrungen eignet sich dieses Material jedoch nur für kleinere Terrarien, oder für Aufbauten.

Für Forex spricht insbesondere:
- ein geringes Gewicht von nur 0,5-0,7kg/mm³ im Vergleich zu Glas mit 2,5kg/mm³
- trotz seines geringen Gewichts bei entsprechender Materialstärke akzeptabel stabil
- es lässt sich kalt verschweißen, heiß biegen oder in dünnen Materialstärken tief ziehen
- es lässt sich sehr einfach Sägen, Bohren, Schrauben und allgemein ähnlich wie Holz bearbeiten
- es besteht nahezu keinerlei Bruchgefahr
- einfach in der Handhabung und witterungsbeständig (UV-Strahlung jedoch ein Problem)
- Schleif-, Feil-, Streich- und Lackierbar

Natürlich hat ‚Forex‘ auch Nachteile. Einer davon ist, dass sich die Kunststoffplatten mit der Zeit, vor allem bei Belastung und Wärmeeinwirkung verziehen. Ein großer Mehrkostenfaktor stellen daher Metallwinkel zur Stabilisierung dar. Ebenso ist die Oberfläche, trotz der Bezeichnung 'hart-PVC' weich genug um Kratzer und Furchen mit harten Gegenständen zu hinterlassen. Ein sorgsamer Umgang beim Bau verhindert jedoch das gröbste und im "Betrieb" kommt es ohnehin kaum vor, dass das Material beschädigt wird. Ein weiterer Nachteil ist die Temperaturtoleranz. PVC zersetzt sich bei Temperaturen, die die 180°C Marke übersteigen. Weshalb beim Einsatz von Metalldampflampen auf genügend Abstand oder Schutzflächen, zum Beispiel in Form von Aluminiumplatten, zu achten ist.

Grundinformationen zu Kömacel

Aus den gewonnenen Erfahrungen im Umgang mit ‚Forex‘ musste ich mir eingestehen, dass ‚Forex‘ nicht das ideale Material zum Bau größerer Terrarien ist. Nach etwas Recherche bin ich auf sogenannte PVC Integral-Hartschaumplatten gestoßen, im Handel oft als ‚Kömacel‘ betitelt. Diese Platten sind erheblich stabiler und unempfindlicher, sich aber genauso verarbeiten lassen wie ‚Forex‘. Diese Form der PVC-Platten wurde mir auch von Seiten einiger professioneller Terrarien- und Möbelbauer nahegelegt. Zwar ist mit Mehrkosten von wenigen Euro pro Quadratmeter zu rechnen, jedoch spart die gewonnene Stabilität anderswo Metallwinkel ein.

Für Kömacel spricht insbesondere:
- ähnlich ‚Forex‘ ein Gewicht von 0,55-0,6 kg/mm³ im Vergleich zu Glas mit 2,5kg/mm³
- Oberflächenhärte (Schore-D) von ~75 im Vergleich zu Forex mit ~42
- hohe Biegefestigkeit von 20 MPa bei 10mm Plattenstärke, schlagzäher und edle Oberfläche
- es lässt sich kalt verschweißen und geringfügig heiß biegen
- es lässt sich ähnlich wie Holz bearbeiten
- im Vergleich zu Glas sehr geringe Bruchwahrscheinlichkeit dank hoher Schlagzähigkeit
- einfach in der Handhabung und witterungsbeständig (UV-Strahlung jedoch ein Problem)
- Schleif-, Feil-, Streich- und hervorragend Lackierbar

Von ‚Kömacel‘ ausgehend gibt es keine nennenswerten Nachteile gegenüber ‚Forex‘. Die Platten lassen sich genauso gut wie Forex bearbeiten und verarbeiten. Unschöne Furchen durch aufliegendes Werkzeug kommen nur durch grobe Krafteinwirkung zustande, jedoch verkratzt auch die harte Oberfläche recht schnell, wenn mit harten Objekten darauf hantiert wird. Daher empfehle ich Ihnen, wie auch bei Forex, die bearbeiteten Flächen stets nach innen ins Terrarium zeigen zu lassen. Da ich zukünftige Terrarien im Frontbereich lackieren möchte, spielen kleinere Kratzer für mich keine Rolle.

Aus Stabilitätsgründen wurde und wird grundsätzlich die Plattenstärke 10mm für den Terrarienkörper gewählt, als PVC-Klebstoff wird Henkels Tangit, nach Möglichkeit stets der THF haltige, verwendet. An einigen Stellen, zum Beispiel Lüftungsgitter, wird auch rein mit THF gearbeitet oder in THF aufgelöstes PVC als Spachtelmasse verwendet [1]. Je nach Vorhaben kommen auch stärkere oder schwächere Materialstärken zum Einsatz, auch eine Mischbauform aus ‚Kömacel‘ und ‚Forex‘ ist ohne weiteres möglich. Die wichtigsten Werkzeuge zum Bau eines Kunststoffterrariums sind neben Schraub- und Klemmzwingen ein, im besten Fall zwei Akkuschrauber, scharfe Messerklingen, Klebeband und Gehrungswinkel. Genauere Informationen über den Bau und Einrichtungsmöglichkeiten finden Sie in den nachfolgenden Bereichen. Eine gute Planung ist natürlich Grundvoraussetzung für ein langlebiges, stabiles und vor allem Tiergerechtes Terrarium.

Allgemeine Verarbeitungshinweise und Tipps für PVC-Platten:

Aus meiner Sicht gibt es nicht viel, das zu beachten ist. Um Ihnen jedoch eine kleine Hilfestellung zu geben, wie Sie PVC-Platten am besten verarbeiten, teile ich gerne meine Erfahrungen mit Ihnen.

Kalt verschweißen:
Alle Flächen, die mit Tangit kaltverschweißt werden sollen, sollten nicht nur trocken, staub- und fettfrei sein, sondern auch leicht aufgeraut werden. Die PVC-Platten werden in Formen aufgeschäumt, wodurch die Plattenfläche geschlossen und sehr glatt ist. Die Erfahrung zeigt, dass das Lösungsmittel geschlossene Flächen nicht richtig anlöst und somit zu instabilen Verbindungen führt. An aufgerauten Flächen, z.B. den Stößen oder mittels Schleifpapier aufgerauten Flächen aufgebracht, ergeben sich erheblich bessere Schweißnähte, die langfristig ein Austreten von z.B. Wasser zuverlässig verhindern. Nach bereits zwei Stunden sind diese Verbindungen sehr stabil, ohne dass bei weiteren Arbeiten Bruchgefahr besteht – unter sorgfältiger Weiterverarbeitung versteht sich. Um wirklich formschlüssige Schweißnähte zu erhalten, sollten die Bauteile in regelmäßigen Abständen mit Schrauben aneinander gezogen, mittels Zwingen aufeinander gedrückt oder mit Gewichten aufeinander gepresst werden.

Bohren, sägen und zerspanen:
Ich empfehle Ihnen, beim Einsatz von Verschraubungen stets vorzubohren um ein Platzen oder Aufblähen der Platten zu verhindern. Somit können Sie Schrauben auch vorpositionieren und beim Verschweißen zügig eindrehen. Die Kunststoffspäne, die beim Bohren entstehen, können solange sie noch warm sind einfach herausgezogen werden. Der einfache Einsatz von Schrauben dient für gewöhnlich nicht der Stabilität sondern der Positionierung von Bauteilen. Daher sind Schrauben mit einem Durchmesser zwischen 1,0mm und 3,0mm sowie Längen zwischen 10mm und 45mm je nach Bauteil ideal. Schrauben, die zum Anbringen von stabilisierenden Winkeln im Terrarium dienen, führe ich stets in V4A Stahl aus.
Um die PVC-Platten überhaupt in Form zu bringen, können Sie sie behandeln wie OSB oder MDF Platten. Wenn Sie keine Tisch- oder Handkreissäge ihr Eigen nennen, fragen Sie am besten beim Tischler Ihres Vertrauens um Hilfe. Wichtig ist nur, dass auf eine etwas feinere Zahnung der Sägeblätter geachtet wird, sowie das Sägeblatt scharf und schnell durch die Platten geführt wird. Andernfalls kann es vorkommen, dass das PVC schmilzt und unschöne Ränder hinterlässt.
Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, dass in die Platten Gewinde geschnitten werden können! Egal ob ein G1/8“ Gewinde für Beregnungsanlagen oder ein M25 Gewinde für Bodenabläufe gefordert wird, es lässt sich alles in diese Richtung realisieren, was ein großer Vorteil gegenüber Holz und Glas ist. Allerdings sind diese Gewinde vor allem bei ‚Forex‘ zugleich auch empfindlich, es sollte also nichts mit Gewalt eingedreht werden.
Beim Bohren mittels Hohlbohrkronen empfehle ich stabile Fabrikate, keine günstigen Baumarktprodukte mit auswechselbaren Federstahlblättern. Letztere verhaken sich gerne bei zu hohen Umdrehungszahlen im Kunststoff und können die Bohrung ruinieren. Bei Vorbohrungen für Gewinde größer 10mm empfehle ich Ihnen Forstnerbohrer oder Flachbohrer in entsprechender Größe. Ansonsten eignen sich sowohl Holz- als auch Metallbohrer gleichermaßen.
Mit scharfen Klingen lassen sich Plattenkannten auch Hobeln, sollten die Maße nicht ganz passen oder etwas überstehen. Gleichermaßen kann so auch eine Plattenkannte auf einen passenden Winkel, wie er zum Einbau einer schrägen Bodenplatte notwendig ist, gehobelt werden. Schleifen funktioniert ebenso problemlos. Achten Sie jedoch auf eine gute Staubabsaugung.

Lackieren:
Wenn Sie Ihre Terrarienfront lackieren möchten, sollten sie nebst den typischen Vorarbeiten wie Anschleifen und Reinigen darauf achten, dass Sie einen geeigneten Lack verwenden. Dies kann zum Beispiel ein Lösemittelhaltiger Spritzlack für Hart-PVC sein, oder aber auch Acrylat-Lacke sowie zweikomponentige PUR Lacksysteme. Bitte Fragen sie hierzu vor dem Kauf und der Verarbeitung aber auf jeden Fall im Fachhandel an, da hier viele Stolpersteine den Weg kreuzen können. Gleiches gilt, wenn Sie die Fronten „nur“ streichen möchten. Bei der Wahl des falschen Lackes kann es passieren, dass dieser nicht hält und abplatzt, oder das PVC anlöst.

Reinigen:
Zwar ist PVC beständig gegen viele Lösungsmittel in Haushaltsreinigern, läuft bei offener Oberfläche aber Gefahr Farbmittel einzulagern oder spröde zu werden. Reinigen Sie daher die Oberflächen stets nur mit einem feuchten Tuch oder bei stärkeren Verschmutzungen mit etwas Prilwasser.

Weiterführendes

[1] Bitte beachten Sie hierzu die Gefahrenhinweise!