Bombina orientalis

Seit nunmehr zehn Jahren beschäftige ich mich mit der Haltung und Zucht von Bombina orientalis. Ohne diese Tiere könnte ich mir die Terrarienkunde nicht vorstellen, geschweige denn betreiben. Waren es doch meine ersten Amphibien und, von einer Hierodula membranacea abgesehen, meine ersten Terrarientiere. Nach über zehn Jahren Haltung sammelt sich einiges an Wissen, Erfahrung und leider auch Fehlern an. Ich möchte Ihnen und jedem Interessenten daher meine persönlichen Erfahrungen mit diesen Tieren und aktuelles Fachwissen weiter geben.

Allgemeines und Merkmale:

Die chinesische Rotbauchunke, genauer, Bombina orientalis, ist eine der häufigsten gehaltenen Amphibienarten und die häufigste Vertreterin ihrer Gattung in der Terrarienkunde. Die Tiere zeichnen sich durch ihren meist intensiv rot bis orange gefärbten, schwarz gesprenkelten Bauch und ihrer herzförmigen Pupillen und flachen Körperbau aus. Die Grundfärbung reicht über diverse Grüntöne bis hin zu einem Erdbraun, unregelmäßig durchsetzt mit schwarzen Elementen. Ebenso auch Tiere, bei denen sowohl grün- als auch braungefärbte Körperstellen vorkommen. In regelmäßigen Abständen tauchen auch sogenannte ‚Goldunken‘, albinotische Tiere auf. Die Farbmuster sind bei chinesischen Rotbauchunken wesentlich variabler als bei anderen Vertretern der Gattung Bombina. Die Zeichnung an Bauch und Rücken ist ähnlich eines Fingerabdrucks nahezu einzigartig. So lassen sich auch in größeren Gruppen einzelne Tiere sicher wiedererkennen.

Systematik:

 

Klasse: Amphibia
Ordnung: Anura
Überfamilie: Discoglossoidea
Familie: Bombinatoridae
Gattung: Bombina
Art: Bombina orientalis

Die Größe der Tiere schwankt je nach Aufzuchtbedingungen der Quappen zwischen vier und sechs Zentimetern. Die Bauchhaut ist glatt und weich, die Rückenhaut rau. Unken sind dank Chromatophoren, Farbzellen in der Haut, bedingt zu einem Farbwechsel fähig. Fühlen sich die Tiere unwohl oder wollen sich an den Untergrund anpassen, wirkt die Färbung durch zusammenziehen und ausdehnen solcher Farbzellen dunkler oder heller. Die Geschlechter lassen sich mit geübtem Auge bei adulten Tieren, vor allem in der Paarungszeit, gut erkennen. Männchen sind kräftiger gebaut, verfügen über deutlich sichtbare Brunftschwielen an Unterarmen und Zehen, sowie über deutlich größere Schwimmhäute an den Hinterbeinen. Das sicherste Erkennungsmerkmal ist der Paarungsruf. Durch Fehlen einer Schallblase ist der Paarungsruf des Männchens aber entsprechend leise. Die Tiere werden weltweit seit vielen Jahren erfolgreich nachgezüchtet und gehalten. Zudem ist Bombina orientalis ein Beispiel für die gelungene Erhaltungszucht zur Arterhaltung. Die Art gilt als Bedroht und ist durch die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt. Es gilt Buchführungs-, jedoch keine Meldepflicht in Deutschland. Kommunal kann es jedoch vorgeschrieben sein.

Verbreitung und Lebensraum:

Über das genaue Verbreitungsgebiet chinesischer Rotbauchunken gibt es voneinander abweichende Aussagen. So erstreckt es sich laut BADGER (1997) über große Teile des Anjuiski-Nationalpark im südosten Sibiriens, Grenzgebiete der Mongolei, über Gebiete der koreanische Halbinsel bis in den Osten Chinas hinein, durchgehend bis etwa 300-500km südlich von Peking. Laut ZAO & ADLER (1993) im Nordosten bis 2000km ins chinesische Landesinnere. Laut Karte der IUCN-Red List kann dies als bestätigt betrachtet werden (siehe nebenstehendes Bild). Jedoch gibt es im Großraum Peking nur eine Verschleppte Population. Somit ist als südlichstes Verbreitungsgebiet die Küstenregion der chinesischen Provinz Jiangsu auszumachen, welche getrennt von der Hauptpopulation lebt. Ebenso gibt es immer wieder, meines Wissens nach wissenschaftlich unbestätigte, Sichtungen auf den japanischen Tsushima und Kyushu-Inseln. Die maximale Höhenverbreitung liegt laut Literatur bei 500 Meter ü. NN. Damit lässt sich Bombina orientalis als Tieflandart bezeichnen. Aufgrund des großen Verbreitungsgebiets wäre der Handelsname ‚Asiatische Rotbauchunke‘ wesentlich treffender. Innerhalb des Bombina-Komplexes weißt die chinesische Rotbauchunke, nach Bombina bombina, flächenmäßig das größte Verbreitungsgebiet auf.

Überschwemmte Wiese in Ungarn, Habitat der Rotbauchunke (Bombina bombina)

Beschreibungen des Habitats in China sind selten und wenig dokumentiert, lassen sich aber sehr gut mit denen der europäischen Gelbbauchunke (Bombina variegata) und der Rotbauchunke (Bombina bombina) vergleichen. Durch Ackerbau, Besiedelung und Industrieeinflüsse wird der Lebensraum seit Jahren knapper. Pestizide und andere Chemikalien belasten Böden und Gewässer. Dies lässt mancherorts Populationen immer kleiner werden. Sie leben dämmerungs- und tagaktiv, meist in der Nähe stehender oder fließender Gewässer, etwa kleinen Bächen, Weihern oder Gräben sowie in Reisplantagen und Moorlandschaften. Im Spätsommer gehen die Tiere zu einer mehr terrestrischen Lebensweise über und bewohnen dabei auch Mischwälder, Feuchtwiesen und regional Obstplantagen. Dort erfolgt in der Regel auch die Überwinterung in Erdhöhlen, zwischen ausgeschwemmten Baumwurzeln und anderen frostgeschützten Orten. Während der Paarungszeit im Frühjahr und Sommer zeigen die Tiere einen ausgeprägten aquatilen Lebensstil zwischen in Wasser ragende Äste, Wurzeln und Wasserpflanzen. In dieser Zeit finden sich die Tiere oft nur zur Nahrungsbeschaffung an Land.

Verhalten:

Bombina orientalis verhalten sich außerhalb der Paarungsphase sehr ruhig und unauffällig. Sie verbringen teils Stunden regungslos im Wasser oder zwischen Landpflanzen, immer auf Futtertiere lauernd. Wie alle Arten der Gattung Bombina reagieren die Tiere hauptsächlich auf Bewegungsreize.

Im Wasser werden Bewegungen vorwiegend über Druckwellen, die über das Seitenlinienorgan wahrgenommen werden, registriert. Bei optischen Reizen spielt die Größe des Objekts und die Dauer des Reizes eine Rolle. Während bei kleinen Objekten eine Orientierungsbewegung zum Objekt hin getätigt wird, lösen Bewegungen größerer Objekte oft eine sofortige Flucht in Richtung Wasserteil aus. Ebenso spielt die Entfernung zum Objekt eine Rolle. Ich konnte beobachten dass bereits wenige Millimeter große Insekten auf 20-30cm Entfernung eine orientierende Wendung in deren Richtung auslösten. Größere Futtertiere, wie ausgewachsene Heimchen, lösten die Ordinierungsbewegung bereits bei über 40cm Entfernung aus. Grundlegend lässt sich das Jagdverhalten folgendermaßen beschreiben: Durch Bewegungsreiz auffallendes Objekt wird fixiert, beobachtet, bei wiederholtem Bewegungsreiz erfolgt eine Annäherung durch hüpfen oder anschleichen an das Objekt mit nachfolgendem zuschnappen. Der Zugriffsbereich für das Zuschnappen liegt bei mehreren Zentimetern, mit einem Satz können die Tiere problemlos bis zu acht Zentimeter Abstand zielsicher überbrücken. Bombina orientalis gehen dabei teils sehr vorsichtig und langsam vor. Ich konnte meine Tiere schon dabei beobachten, wie sie einen Regenwurm zwischen Pflanzen erspähten und durch das halbe Terrarium über Minuten hinweg verfolgten, bevor sie zuschnappten.

Fühlen sich die Unken gestört oder unwohl, stellen sie jegliche Handlung ein und suchen gezielt Schutz im Wasser. Hält die Bedrohungssituation an, tauchen sie ab und verstecken sich zwischen Wasserpflanzen und deren Wurzeln. Bei Bedrohungen an Land, insbesondere bei Berührungsreizen, kann die chinesische Rotbauchunke über Hautdrüsen ein Abwehrsekret absondern, welches auf Schleimhäute reizend und Appetithemmend wirkt. Die Potenz dieses Abwehrsekrets ist in der Terrarienhaltung jedoch stark abgeschwächt. Vermutlich fehlen erforderliche Grundstoffe, die über die Nahrung aufgenommen werden, zur Synthese der Wirkstoffe. Grundlegend dient es zur Abwehr von Bakterien und Pilzen auf der Haut.

Nebst der Absonderung von Abwehrsekret verfügen Unken über eine interessante Verhaltensweise bei Störungen, vor allem bei Berührung. Beim sogenannten ‚Unkenreflex‘ drücken die Tiere das Rückgrat durch und drücken Kopf und Extremitäten nach oben, wodurch die rote Signalfärbung einem potentiellen Fressfeind entgegen gehalten wird. Ich persönlich konnte dieses Verhalten bei Tieren aus Terrarienhaltung auch nach über zehn Jahren Haltung nie beobachten. Bei Tieren, die den Sommer hinweg in einem Freilandterrarium gehalten wurden zeigte sich jedoch eine gewisse Sensibilisierung gegenüber Störungen, welche jedoch nach kurzer Zeit im Terrarium wieder nach lies. Ich vermute, dass die Tiere sich dabei recht schnell an das Erscheinungsbild eines Menschen gewöhnen und ihn, mangels negativer Erfahrung, instinktiv nicht mehr für eine Bedrohung halten.

Unkenrufe

Lautäußerungen dienen bei allen Froschlurchen hauptsächlich als fortpflanzungsbiologisches Signal. Mit Anzeigerufen kennzeichnen paarungswillige Männchen ihr Revier, dabei dienen Lautausrufe nicht nur der Signalisierung der Paarungsbereitschaft bzw. dem Umwerben und Anlocken von Weibchen, sondern auch als Signalfunktion, beispielsweise der Art- oder Geschlechterkennung. Mit Anzeigerufen, sogenannten Befreiungsrufen, können Männchen einander eine irrtümliche Umklammerung es anderen kenntlich machen,  oder Weibchen ihrerseits, dass sie nicht paarungsbereit sind. Die verschiedenen Rufe sind dabei akustisch deutlich voneinander zu unterscheiden. Vor allem in der Hauptfortpflanzungszeit  Mai/Juni rufen Männchen in den Abendstunden unentwegt über Stunden hinweg. Auf eine schriftliche Umschreibung der Rufe verzichte ich hier bewusst. Stattdessen möchte ich nachfolgend die beiden wichtigsten Signalrufe akustisch vorstellen:

Die Männchen setzen bei der Balz zu Rufserien an, die durch einige Sekunden bis wenige Minuten Ruhepause unterbrochen werden. Die Rufe sind aufgrund der fehlenden Schallblase dumpf, etwas brummend und relativ leise. Durch eine geschlossene Zimmertür sind sie kaum noch wahrnehmbar.

Balzruf

Abwehrruf

Haltung im Terrarium

Chinesische Rotbauchunken sind mit etwas Vorbereitung einfach und vor allem der Art gerecht zu halten. Die wichtigsten Eckpunkte stellen die Aufteilung in Wasser- und Landteil, Klima und Wasserqualität, sowie Einrichtung dar. Orientiert an der Natur, lässt sich recht schnell und einfach ein gutes Terrarium einrichten. Wichtig ist hier vor allem die Größe des Terrariums. Oft wird behauptet, für ein bis zwei Paare würden 60x30x30cm Terrariengröße ausreichen. Beobachtet man die Tiere, wird schnell klar, dass diese Angabe als veraltet zu verstehen ist. Eine Grundfläche von 50x50cm sollte das mindeste sein, nicht nur aufgrund des Bewegungsdranges der Tiere, sondern weil bei größerer Grundfläche auch eine entsprechend durchdachtere Einrichtung ermöglicht wird. Daher entschied ich mich bei der neusten Behausung meiner Tiere bewusst für eine Grundfläche von 60x70cm. So ist sichergestellt, dass ausreichend Bewegungsspielraum vorhanden ist, sowohl Land- als auch Wasserteil großzügig gestaltet werden können und eine vernünftige Einrichtung realisiert werden kann.

Land und Wasserteil:

Bombina orientalis verbringt sowohl im Wasser, als auch an Land viel Zeit. Daher ist es wichtig eine vernünftige Balance zwischen beidem zu finden. In der, vorwiegend älteren, Literatur finden sich Angaben zum Verhältnis zwischen Land und Wasserteil, ausgehend von „Wasserschale reicht“ bis hin zu 90% Wasserteil, bei bestehendem „Landteil“ aus Wurzeln, Korkrinde oder aufgeschüttetem Kies im hinteren Bereich. Meiner Beobachtung und Erfahrung nach liegt der effektivste und den Tieren gerecht werdende Weg in der Mitte. Bei meinem Terrarium besteht ein Verhältnis von über den Daumen 1 zu 1. Der Landteil ist baulich vom Wasserteil getrennt und erhöht. So konnte mittels Rindenmulch ein Bodengrund gewählt werden, der nach dem Einsetzen von Pflanzen durch deren Wurzeln an Ort und Stelle gehalten wird und umgekehrt den Pflanzen Halt bietet, durch ein Gefälle von 4% zum Wasserteil hin Staunässe wirkungsvoll verhindert und überschüssiges Wasser der Beregnungsanlage ungehindert abfließen kann. Vom Landteil geht ein steil abfallender Uferbereich in den Wasserteil über, der mit Philodendron gestaltet wurde. Genaueres zur baulichen Gestaltung des Terrariums finden Sie >hier<.

An Land halten sich die Unken gerne dann auf, wenn sie auf Futtersuche sind oder sich bei hoher Luftfeuchtigkeit – vor allem Richtung Herbst – zwischen den Pflanzen nieder lassen. Dabei tauchen die Tiere wörtlich zwischen den bodenwachsenden Ranken – hauptsächlich Pellionia repens – ab und suchen entweder nach Asseln und Würmern oder Schutz vor Wärme und Beleuchtung.


 

Blick in das Terrarium

Die Temperaturen im hinteren, kaum beleuchteten Teil des Terrariums liegen auch im Sommer dank Verdunstungskälte bei teilweise nur 20°C. Direkt im Lichtkegel der SolarRaptor, mittig im Terrarium, erreichen die Temperaturen 26°C und an sehr warmen Sommertagen auch bis 30°C. Nachts sinken die Temperaturen um einige °C ab.
Im dicht bewachsenen Wasserteil lassen sich die Tiere dagegen Stunden lang zwischen den Wurzeln und Blatttrieben des Philodendron nieder. Dabei ist jedoch bei beiden Terrarienteilen den Tieren die Möglichkeit gegeben, sich dem Sichtfeld zu entziehen. Ein wichtiger Punkt, der nicht außer Acht gelassen werden darf. Die Wassertemperatur übersteigt auch im Sommer durch ausreichend Beschattung und Verdunstungskälte selten die 22°C Marke.

Einrichtung:

Für chinesische Rotbauchunken spielt die Einrichtung eine untergeordnete Rolle solange die Klimawerte stimmen. Allerdings ist die Einrichtung wiederum entscheidend für die artgerechte Haltung und die Klimawerte. Wie erwähnt ist der Wasserteil dicht mit Philodendron bewachsen, der Sichtschutz bietet, aber den Unken auch festen Halt bei der Balz oder Erholungspausen bietet. Nicht zuletzt wird zwischen den Wurzeln auch der Laich abgelegt. Grundsätzlich sollte eine Einrichtung den Bedürfnissen der Tiere entsprechen. Im Falle der Bombina orientalis bedeutet dies, genügend Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, sich dem Blickfeld des Halters, also Ihnen und mir, aber auch dem der Artgenossen zu entziehen. Gleichzeitig soll durch eine dichte Bepflanzung ein aktives Jagdverhalten gefördert werden. Es reicht also, Wasserteil und Boden gut einwachsen zu lassen. Ein paar lose liegende Äste sorgen für eine natürlich wirkende Optik, dienen dabei aber in keinem Sinne als Kletterhilfe. Zwar können chinesische Rotbauchunken selbst an glatten Glasfronten empor klettern, sind aber keine aktiven Kletterkünstler und bevorzugen die Jagd am Boden.

Technik:

Die von mir im Terrarium verbaute Technik können Sie >hier< nachlesen.
Grundsätzlich ist bis auf die Beleuchtung keine weitere Technik erforderlich. Zur Beleuchtung muss ich jedoch noch ein paar Worte verlieren, da sich aus früherer Zeit ein wichtiger Erfahrungswert bezüglich UV-Kompaktlampen ergeben hat. 2005 beobachtete ich, das Jungtiere die unter den alten ExoTerra „Repti Glo“ der Serien 2.0/5.0/10.0 aufwuchsen, Augentrübungen aufwiesen die bei Tieren welche unter normalen Kompaktlampen, T5-Röhren und HID Strahlern aufwuchsen fehlten. Zunächst dachte ich an eine fehlerhafte Charge der Lampen und Zufall, wechselte diese sofort aus und verkürzte den Wechselintervall um einige Monate. Schlussendlich machte ich 2007 einen bewussten Versuch diesbezüglich und zog je 10 Jungtiere aus dem gleichen Laichvorgang getrennt voneinander auf. Die einen Gruppen wie gehabt unter „Repti Glo“ 10.0, 5.0 und 2.0 Lampen, die andere unter Mischbeleuchtung bestehend aus T5-Röhre und BrigtSun HID Lampen. Die ernüchternde Erkenntnis: Alle 20 Tiere, die unter Einfluss der „Repti Glo“ Lampen standen hatten nach einigen Monaten deutliche Augeneintrübungen. Damit stellte sich der Vorfall von 2005 und nachfolgende aus 2006 leider als reproduzierbar heraus. Woran dies genau lag, weiß ich leider bis heute nicht. Spätere Messungen ergaben, dass vor allem die 10.0 Ausführungen sehr schwankend in der UV-Abgabe waren. Von nur sehr wenig bis hin zur 20-fachen Dosis der angegebenen UV-Abgabe war das Resultat der Messungen. Bei der 2.0 Variante konnte ich nur bei einer von fünf Lampen einen geringen Anteil an UVB nachmessen. Seither verzichte ich gänzlich auf Kompaktlampen mit angeblichem UV-Anteil und habe seither auch nie wieder Probleme mit Augenschäden gehabt. Die Technik der Kompaktlampe scheint hierfür einfach nicht gemacht. Nach heutigem Wissensstand bin ich ohnehin der Meinung, dass sich mit solchen Lampen keine vernünftige Beleuchtung mit UVA und UVB realisieren lässt und empfehle daher gleich eine gute UV Versorgung mittels HID Strahlern. Hochwertige T5-Leuchten wie die Arcadia D3 12% eignen sich dabei zur Aufzucht recht passabel.

 

 

 

Jungtier mit deutlichen Augentrübungen, hervorgehoben durch falsche Beleuchtung

Weiter sind Heizmatten, Heizstäbe im Wasserbereich, Nebler und Nachtbeleuchtungen nicht nötig und führen mehr zu Problemen als dass sie einen Nutzen haben. Auch Wasserfälle und Kunstpflanzen mögen optisch einen Reiz haben, tragen aber rein Garnichts zur artgerechten Haltung der chinesischen Rotbauchunke bei und können zudem auch negative Auswirkung auf Gesundheit und Verhalten haben. Daher sollte hierauf genauso verzichtet werden, wie auf eine Filterung oder Umwälzung des Wasserteils. Zum einen, weil frisch geschlüpfte Quappen nicht gegen die Sogwirkung einer noch so schwachen Pumpe ankommen und im Filter verenden würden, zum anderen, weil ein regelmäßiger Wasserwechsel bei so kleinem Wasservolumen wesentlich sinnvoller und effektiver ist. Bombina orientalis ziehen ohnehin ruhige, stehende Gewässer den fliesenden vor. Wozu also den Stressfaktor Strömung einbringen?

Ernährung:

Chinesische Rotbauchunken sind nicht wählerisch was ihre Beute angeht. Es wird nach allem geschnappt was sich bewegt und in den Rachen passt. Folglich lassen sich Bombina orientalis gut mit den gängigen Futtertieren aus dem Zoohandel ernähren. Dennoch bevorzugen die Tiere eher weiche Beute. Also Raupen, Larven oder Würmer. Eben alles, was im Kompost gefunden werden kann. Allen voran Würmer sind aufgrund ihres hohen Calciumanteils als sehr gutes Futter zu werten, solange diese nicht aus chemikalienbelasteten Böden entnommen werden. Fliegenmaden und Wachsmottenlarven machen bei mir in Verbindung mit Würmern in den wärmeren Jahresmonaten gut 60% der Futtertiere aus. In regelmäßigen Abständen folgen Grillen, größere Asselarten aber auch entsprechend große Nacktschnecken. Da ich stets empfehle, mehrere kleine anstelle weniger großer Futtertiere zu reichen, orientiere ich mich bei adulten Unken im Bezug auf die Größe der Beutetiere stets an kleinen bis mittelgroßen Heimchen/Grillen. Bei Würmern rechne ich mit zwei großen bzw. vier kleinen Würmern pro adultem Tier pro Fütterung. Von einer Futtergabe mittels Pinzette sehe ich grundsätzlich ab. Die Futtertiere werden auf dem Landteil ausgesetzt und den Unken so überlassen. So müssen die Tiere selbst nach ihrem Futter suchen und sich dabei bewegen. Dies fördert nicht nur den Jagdtrieb der Tiere, sondern ermöglicht Ihnen als Halter auch das beobachten der ansonsten eher trägen Tiere. Dabei sollte auch im Auge behalten werden, ob ein Tier vielleicht Probleme bei der Jagd oder in seiner Bewegung hat. Zurückhaltende, nicht an der Nahrungssuche interessierte Unken sind meist ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt.

Die einzige Ausnahme stellen bei der Fütterung Würmer dar. Diese werden zuerst von Erdresten gesäubert und dann in einer flachen, glatten Schale gereicht, da sie sonst entweder für immer im Rindenmulch und zwischen Wurzeln verschwinden, oder nach einiger Zeit ihren Weg in den Wasserteil finden und dort ertrinken. Eine Fütterung mittels Pinzetten birgt stets auch das Risiko von Verletzungen, auch bei abgerundeten Pinzettenköpfen. Dies zeigt leider die Erfahrung bei kranken Tieren. Schwachen Tieren sollte daher das Futter mittels Schale gereicht werden. Hilfreich ist es, wenn die Aktivität des Futtertieres durch einen Aufenthalt im Kühlschrank herabgesenkt wurde. Der Fütterungsintervall beträgt etwa drei bis vier Tage.

Rotfärbung des Bauches:

Bei der richtigen Ernährung standen Halter von Bombina orientalis lange Zeit bei der Aufzucht vor dem Problem, dass sich die Bauchseite gelb bis nur schwach orange färbte. Dies rührt aus der Zusammensetzung der von uns gegebenen Futtertiere her. In der Natur scheinen chinesische Rotbauchunken auch kleinere Krebsarten wie Bachflohkrebse zu erbeuten, die einen hohen Anteil an sogenanntem Canthaxanthin haben, einem roten Farbstoff der auch für die Färbung bei Flamingos verantwortlich ist. In der Literatur finden sich viele Versuchsberichte um zu einer Rotfärbung des Bauches zu kommen. Eine Zufütterung von Bachflohkrebsen zeigt langfristig mäßige Wirkung, Futtertiere, die mit Pfifferlingen angefüttert wurden ebenso, während Futtertiere die mit ß-Carotinen bestäubt oder gefüttert wurden dagegen zu Vitamin-A Überdosierungen führten. Canthaxanthin, auch als E161g bekannt, wird im Gegensatz zu anderen Carotinen direkt im Gewebe eingelagert und nicht weiter abgebaut.

Dr. Hans STEINICKE (1976) publizierte bereits im Jahr 1976 im Salamandra-Journal einen sehr interessanten Bericht hierzu. Dabei wurden Futtertiere von ihm mit in Wasser gelöstem Canthaxanthin geimpft und dann verfüttert. Eine zunehmende Rotfärbung des Bauches konnte bereits nach wenigen Wochen wahrgenommen werden. Bei den Versuchstieren färbten sich knallrote Bäuche, die denen von Wildfängen in nichts nachstanden.

Etwa vier Monate alte Jungtiere mit bereits knallorangem Bauch

Um Canthaxanthin reihen sich dabei viele Warnungen vor gesundheitsschädigender Wirkung, Langzeitschäden an Augen und Leber und auch plötzlich verstorbener Tiere werden immer wieder in Foren genannt. Auch STEINICKE (1976) berichtet, dass eines seiner Versuchstiere während der Testphase verstarb. Ebenso berichtete Dieter HUMBEL auf seiner mittlerweile leider nicht mehr erreichbaren Homepage von an Konjunktivitis erkrankten Tieren im Zusammenhang mit der Gabe von Canthaxanthin. Eine Studie der Universität Köln kam 2010 zu dem Befund, dass durch Canthaxanthin keine Gesundheitlichen Langzeitschäden zu befürchten sind, wenn die Dosierung keine kritische Menge übersteigt. Zwar bezieht sich diese Studie auf den Menschen, das Stoffwechselverfahren zur Einlagerung in Zellen sollte jedoch das gleiche sein. Die eben genannten Vorfälle sind demnach Einzelfälle, die auf eine zu hohe Dosierung des Farbstoffes in zu kurzer Zeit schließen lassen. Daher ist eine geringe Dosierung Canthaxanthin mit einigen Tagen Pause zwischen der Zufütterung dringend anzuraten. Zudem besteht ein großer Unterschied darin, ob sich der Farbstoff, aber auch Vitamine und Mineralien, in einem Futtertier befinden, oder außerhalb anhaften. Ich persönlich füttere Canthaxanthin den Jungunken bis ins ausgewachsene Lebensstadium nach dieser Methoden zu:
Einmal in der Woche werden weiße Asseln oder junge Kubaasseln, kleine bzw. micro Heimchen mit einem Stück Toast anzufüttern, welches zuvor in Wasser mit gelöstem Canthaxanthin  getränkt wurde. Zeitnah an Jungunken verfüttert haben die Futtertiere noch ausreichend Canthaxanthin im Verdauungstrakt um nennenswerte Mengen an die Tiere weiter zu geben ohne zu einer Überdosierung zu führen. Dies reicht schon aus, um eine satte Bauchfärbungen zu erreichen. Wichtig hierbei ist, Geduld zu haben. Es dauert einige Wochen oder Monate bis sich der rote Bauch voll ausgeprägt hat und bedarf einer regelmäßigen Zufütterung Canthaxanthins bis in das adulte Lebensstadium hinein. Zwar lässt sich die Zeit mit vermehrter Gabe an Canthaxanthin sicherlich verkürzen, jedoch nur unter Inkaufnahme gesundheitlicher Risiken, denn die anagesprochene kritische Menge dieses Farbstoffes ist ungewiss. Deshalb sollte die Dosierung und Zufütterung so hoch und oft wie nötig, aber so gering wie möglich gehalten werden. Stimmt das Ergebnis mit fortschreitendem Wachstum noch nicht, werden hauptsächlich kleine Grillen und Heimchen mit dem getränkten Toast angefüttert und ein bis zweimal im Monat weiter an entsprechend große Jungtiere verfüttert. Bei subadulten bzw. adulten Tieren kommen mittlere Heimchen und Grillen zum Einsatz.

Sobald der Bauch satt rot gefärbt ist, stelle ich die Zufütterung komplett ein. Meine Jungtiere hatten bisher mit diesen Methoden spätestens nach sechs Monaten eine satte Färbung am Bauch und durch regelmäßige Zufütterung des Farbstoffs diese im Wachstum nicht verloren, ohne dass ich je ein Tier in dieser Phase mit Augenschäden oder plötzlichem Tod verlor. Wie bei der Gabe von Vitaminen und Mineralien macht auch hier die Dosis das Gift. Ein sehr gutes Präparat ist Orlux Can-tax der Firma Versele-Laga aus dem Vogelbedarf. Es lässt sich sehr gut in Wasser lösen, mit welchem z.B. Toast als Trägermaterial getränkt wird oder eine Zucker-Wasser-Canthaxanthin Lösung herstellen, die an durstige Futtertiere gereicht werden kann – dies funktioniert ebenso gut wie die Zufütterung über Toast, jedoch mit dem Risiko das vor allem micro und kleine Grillen und Heimchen in der Lösung ertrinken. Ebenso lässt sich das Pulver gut dosieren und ist äußerst ergiebig. Kleinste Mengen färben Wasser blutrot. Das in älterer Literatur genannte „Rodoxan“ der Firma Brandt AG aus Bern scheint dagegen nicht mehr am Markt zu sein. Andere Canthaxanthin-Präparate habe ich nie getestet.

Kälteperiode und Kältestarre:

Eine Winterpause ist für die artgerechte Haltung aus mehreren Gründen unumgänglich. Die Vorbereitung für die Winterperiode ist dabei essentiell für ein schadloses Überstehen dieser. So bekommen meine Bombina orientalis ab Mitte Oktober nichts mehr zu fressen damit sich der Darm möglichst vollständig entleert und unverdaute Futtertiere nicht anfangen im Verdauungstrakt zu faulen. Zu diesem Zeitpunkt sollten alle Tiere gut genährt sein. Die Temperaturen im Terrarium werden mittels Abschalten der HID Beleuchtung und häufigerem Lüften langsam reduziert und auf höchstes 20°C auf dem Landteil eingependelt. Das Wasser hat ca. 15°C. Große Temperatursprünge sind dabei zu vermeiden und setzen die Tiere unter Stress. Daher ist es wichtig den Tieren die Möglichkeit zu geben, sich zu akklimatisieren. Früher überwinterte ich meine Tiere in Kellerschächten, was aufgrund der natürlich verlaufenden Temperaturkurve sehr gut funktionierte. Aufgrund der Wetterkapriolen der letzten Jahre bin ich jedoch dazu übergegangen, die Tiere im Kühlschrank zu überwintern. Ende Oktober, Anfang November kommen die Tiere hierfür in einer ausreichend großen Box in welcher sie bis zum nächsten Frühling bleiben. Die Box ist mit ca. eineinhalb Zentimetern Wasser befüllt und beherbergt etwas Rinde, Steine oder kleine Äste damit die Tiere dem Wasser entfliehen können.  So ausgestattet kommen die Unken bis Mitte/Ende November in einen Kellerschacht. Sobald die Außentemperatur nachts 10°C unterschritten hat, werden die Tiere samt Box in den Kühlschrank überführt. Dort herrschen konstant 3-5°C vor und ich als Halter muss mir keine Sorgen darüber machen, die Tiere könnten bei Temperaturabweichungen nach unten erfrieren, oder wenn es am 24. Dezember wieder über 20°C haben sollte zu aktiv werden. Dies hat zudem den Vorteil, dass die Tiere immer in Blickfeldnähe bleiben. Regelmäßige Wasserwechsel, etwa alle ein bis zwei Wochen sind vor allem dann, wenn Wurzeln oder Rinden beigelegt sind, dringend anzuraten. Um Temperaturschocks zu vermeiden stelle ich hierfür eine entsprechende Menge Wasser einen Tag zuvor mit in den Kühlschrank.
Bis Mitte Februar, Anfang März verbleiben die Tiere dann im Kühlschrank und warten auf den Frühling. Dieser wird dann in umgekehrter Reihenfolge eingeleitet. Wenn die Temperaturen nachts bei 7-10°C liegen kommen die Unken für einige Zeit zurück in den Kellerschacht und werden ab einer Außentemperatur von 15°C zurück ins Terrarium überführt.

Oft wird darüber diskutiert, ob eine Kälteperiode nun nötig sei oder nicht. Fakt ist jedoch, die Kälteperiode stellt für die Amphibien eine Zeit der Erholung dar, in der sich der Stoffwechsel auch Giftstoffen entledigen kann. Des Weiteren wachsen Knorpel und Knochen wesentlich langsamer als Hautgewebe und Organe. Die Zeit der Kältestarre gibt den langsam wachsenden Körperteilen Zeit aufzuholen. Meine Erfahrungen hierzu sind durch jugendlichen Leichtsinn eindeutig. Nachzuchten die zwei Kälteperioden übersprungen haben waren zwar früher geschlechtsreif, aber in ihrer Statur wesentlich kleiner und reagierten wesentlich Anfälliger auf Stress. Auffällig waren damals auch plötzliche Todesfälle durch, wie ich heute weiß, Leberschäden. Daher rate ich nicht nur aus Erfahrung zur Einhaltung der Kälteperioden, sondern auch aus Tierärztlicher.

Zucht und Aufzucht:

Zum Thema Zucht und Aufzucht folgt zur Zuchtsaison 2018 hier oder an anderer Stelle ein ausführlicher Bericht. Ich bitte Sie um etwas Geduld! Sollten Sie Probleme bei der Quappenaufzucht haben und Rat suchen, gibt es anhand des Beispiels Bombina orientalis >hier< meine Sicht der Dinge zu lesen.

Weiterführendes:

STEINICKE, H. (1976): Beiträge zum Problem unvollständiger Auspigmentierung bei der Aufzucht der Chinesischen Rotbauchunke (Bombina orientalis). – Salamandra 12(1): S. 23-26.

RAEHMEL, C.-A- (1976): Ergänzende Bemerkungen zur Rotpigmentierung der Bauchseite bei Jungtieren von Bombina orientalis auf der Basis von Canthaxanthin (Salentina, Discoglossidae). – Salamandra 12(1): S. 47.

ROGNER, M. (2004): Die chinesische Rotbauchunke: Bombina orientalis – (Art für Art / Terraristik) Natur und Tierverlag

ROGNER, M. (1982): Pflege und Zucht der Chinesischen Rotbauchunke, Bombina orientalis. – Das Aquarium 160: S. 545-548.

BIRKENMEIER, E. (1954): Beobachtungen zur Nahrungsaufnahme und Paarungsbiologie der Gattung Bombina. – Verhandlungen der Botanischen Gesellschaft Wien 1994: S. 70-81.