Rückwandgestaltung für Tropenterrarien

Grundlegendes

Die Rückwände für Tropenterrarien müssen vorwiegend drei Aspekte erfüllen.

1. Sie müssen Pflanzen möglichst viel Halt bieten ohne instabil zu werden
2. Sie müssen Wasser aufnehmen und halten können, aber auch abtrocknen können
3. Sie müssen lange halten

Viele Wege führen ans Ziel, meiner Erfahrung nach konnte sich aber nur eine Methode durchsetzen, die im nachfolgenden Artikel aufgearbeitet werden soll. Andere Methoden, wie die, die bereits im Vorwort zur Rückwandgestaltung Erwähnung fanden, haben sich als unbrauchbar, für die Tiere nicht geeignet oder als zu kurzlebig erwiesen.

Die von mir favorisierte Methode wird oft als "2KPU" Methode bezeichnet und stellt meiner Ansicht nach die modernste, langfristig sinnvollste und effektivste Methode der Rückwandgestaltung für Tropen- und Feuchtterrarien dar. Die älteste Rückwand, die mit dieser Methode gestaltet wurde, ist von 2010 und ist nach wie vor in hervorragendem Zustand. Nach meiner Erfahrung hält bei keiner anderen Methode die Beschichtung langfristig so gut wie bei dieser. Grundbaustein für diese Methode ist ein zwei Komponenten Polyurethan Kleber, der dünn auf die zu beschichtende Stelle aufgetragen wird. Bewährt hat sich dabei der Stauf PUK-445E. Dieser Kleber ist ursprünglich für das Verlegen von Parkett vorgesehen, ist nach vollständigem Aushärten jedoch physiologisch unbedenklich, sehr ergiebig und durch seine braune Farbe kaschiert er eventuelle fehlerhafte Stellen. 

Stauf Parkett-Kleber, wie er für die Rückwandgestaltung benötigt wird

Das Mischungsverhältnis von Kleber zu Härter beträgt 8 zu 1, die offizielle Verarbeitungszeit 45 Minuten. Um sicherzustellen, dass der Kleber nicht schon oberflächlich beginnt abzubinden, während das Beflockungsmaterial aufgetragen wird, bin ich dazu übergegangen, Rückwände in Schritten zu beschichten. Dazu mische ich bei großen Flächen 400g Kleber mit 50g Härter an und mische diese nach Anleitung so lange, bis sich eine homogene Masse entwickelt. Hierbei ist wichtig sorgsam auf das Mischungsverhältnis zu achten. Zu viel Härter und der Kleber bindet zu schnell ab. Das Beflockungsmaterial hält dann nicht mehr zuverlässig. Zu wenig Härter bedeutet, dass eventuell Teilstücke nicht aushärten und Giftstoffe frei werden. Um dieses Mischungsverhältnis einzuhalten, genügt eine einfache, grammgenaue Waage aus dem Küchenbedarf. 450g Kleber reichen für circa einen halben Quadratmeter.

Beflockungsmaterial

Das Beflockungsmaterial erfüllt zwei grundlegende Zwecke. Erstens speichert es für die Luftfeuchtigkeit und die Pflanzen benötigtes Wasser, um es nach und nach wieder abzugeben. Zweitens dient es den Pflanzen als Möglichkeit Wurzeln zu verankern, sich auszubreiten und den Tieren als zusätzliche Möglichkeit zu klettern. Auf Torf als Beflockungsmaterial verzichte ich gänzlich. Grund dafür ist der in meinen Augen große Schaden an der Natur, der durch die Ernte bewirkt wird, den ich nicht unterstützen möchte. Deshalb fällt meine Wahl diesbezüglich stets auf Kokoshumus. Während Torf mit der Zeit bröselt, bleiben die groben Bestandteile des Kokoshumus sehr lange bestehen und die Rückwand damit auf lange Zeit intakt. Zum Beflocken muss der Kokoshumus staubtrocken sein, zudem siebe ich sorgsam den feinen Staubanteil mit einem großen Küchensieb ab. Tut man dies nicht, setzt der feine Staub die Kleberoberfläche zu, wodurch der grobe und erwünschte Teil des Kokoshumus nicht mehr genügend Klebefläche vorfindet. Die Kokosfasern werden nach Möglichkeit ebenfalls entfernt.

Nach dem gründlichen Sieben erhält man ein homogenes Beflockungsmaterial.

Die zu beschichtende Fläche

Ein recht kurzer, aber wichtiger Punkt. Die zu beschichtenden Flächen müssen staubfrei und trocken sein, zudem sollten sie dem Kleber ausreichend Haftungsfläche bieten. Am besten eignen sich hier XPS und Styroporplatten, an welchen später die Möglichkeit besteht via Draht und Stecknadeln, Pflanzen oder Fotodosen anzubringen. Ebenso eignen sich Fliesenkleberrückwände und mit Sandpapier stark aufgeraute PVC Flächen.

Die Beschichtung

Meine Tropenterrarien werden alle mit XPS Platten ausgekleidet. Sobald dies erledigt war, konnte mit der Beschichtung begonnen werden. Hierzu wurde, wie eingangs erwähnt, in Teilschritten vorgegangen um sicherzustellen, dass der Kleber vor dem Beflocken nicht oberflächlich abbindet und der Kokoshumus genügend Klebefläche bekommt. Mit 450g Kleber können ca. 0,5 Quadratmeter beschichtet werden. In diesem Beispiel sieht man das 90x80x170cm Terrarium, bei welchem drei Seiten zu beschichten waren.

In Teilschritten beflockte Rückwand

Der Kleber wird ca. 2-3mm dick aufgetragen, hierzu eignen sich breite Pinsel mit harten Borsten am besten. An Überhängen, Kanten und nach außenstehenden Ecken sollte besonders darauf geachtet werden, da an diesen Stellen gerne zu wenig Kleber aufgebracht wird und damit zu wenig Kokoshumus haften bleibt.
Sobald der Kleber ausgestrichen wurde, wird großzügig der gesiebte Kokoshumus darauf ausgebreitet und mit starkem Druck von Hand in den Kleber gedrückt.

So wird sichergestellt, dass das Material nicht nur oberflächlich anhaftet, sondern einen festen Sitz im Kleber erhält und nicht mehr abfällt. Dieser Vorgang wird nun so lange wiederholt, bis alle zu beschichtenden Flächen beflockt sind. Von Vorteil ist es, die Terrarien immer so zu drehen, dass auf waagrechten Flächen gearbeitet werden kann. Ein Beflocken von senkrechten Flächen ist zwar ebenfalls möglich, jedoch sehr mühsam und zeitraubend.

Wenn alle zu beschichtenden Flächen fertig beflockt sind, kann das Terrarium in seine eigentliche Position zurückgedreht werden. Dem Kleber sollte zwei Tage Zeit gegeben werden, um vollständig auszuhärten. Anschließend wird mit einem feinen Handbesen loser Kokoshumus abgekehrt und aus dem Terrarium entnommen. Es kann für künftige Rückwände weiterverwendet werden. Der Geruch des Klebers hält sich noch einige Tage, sollte aber spätestens nach dem ersten Bewässern der Rückwand verschwinden.

Reparaturen
Sollte es Stellen geben, an denen der Kleber zu früh abgebunden hat und dadurch kein Kokoshumus anhaften konnte, ist es kein Problem diese mit einer zweiten Schicht Kleber zu überstreichen und erneut Kokoshumus aufzudrücken. Ebenfalls kann, dies ist die einfachere Variante, an der betroffenen Stelle Aquariensilikon dünnflächig aufgetragen und der Kokoshumus in dieses eingedrückt werden.