Bau eines PVC-Terrariums

Der Bau eines PVC-Terrariums ist im Grunde nicht schwerer oder leichter als der Bau eines Holz- oder eines Glas-Terrariums. Jede Baumethode hat ihre Vor- und Nachteile sowie Bereiche auf die besonders geachtet werden muss. Während bei Glas die Bruchgefahr und das Gewicht und bei Holz die Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit beachtet werden muss, spielt bei PVC Platten die Stabilität eine wichtige Rolle. Kunststoff kann sich weit besser verformen als Holz und Glas, was Vor- und Nachteil zugleich ist, und reagiert empfindlicher auf Wärmeeinflüsse, beispielsweise durch HID und Infrarotstrahler. Daher sollten Sie beim Aufbau des Terrariums nicht nur auf die Plattenstärke achten, sondern gegebenenfalls mit Metallwinkeln oder zusätzlichen Leisten für Stabilität sorgen. Hochterrarien sind ein gutes Beispiel für einen Fall, bei dem in den Ecken zusätzliche Verstärkungen angebracht werden sollten um ein „bauchig“ werden der Seitenwände bzw. ein Zusammensacken der gesamten Konstruktion zu verhindern, sowie für die Scheiben einen sicheren Halt zu formen. Bei langen oder tiefen Terrarien gilt gleiches für die Ecken im unteren Bereich, sowie sollte die Unterkonstruktion entsprechend ausfallen um ein Durchwölben des Bodens zu verhindern. Auch der vordere, obere Teil des Terrariums sollte bei einer Länge über 60 Zentimeter zusätzlich stabilisiert werden. Führungsschienen von Glasscheiben sind nicht immer ausreichend dafür geeignet. Bei Schwenkscheiben mittels Scharnieren ist eine Versteifung unausweichlich. Sehr warm werdende Leuchtmittel bzw. deren Fassungen und Vorschaltgeräte sollten nicht direkt auf PVC angebracht werden. Eine dünne Aluminiumplatte oder an Lüftungsgittern befestigte Lampenfassungen verhindern, dass sich der Kunststoff verzieht oder gar anfängt zu verkohlen. Aber der Reihe nach.

Der erste Schritt sollte eine grobe Konzeptzeichnung sein, aus der Sie die Größe der einzelnen Teile errechnen können. Als Beispiel dient rechts nebenstehend das Schema für ein Regal mit zwei Doppelterrarien, aus welcher die Innenmaße, diverse Höhen und das Regal hervor gehen. Die eigentliche Konstruktion sei jedem Erbauer selbst überlassen. Meine Bauweise unterscheidet sich nicht grundlegend von der eines Holz- oder Glas-Terrariums.

Das Schema, nachdem ich meine Terrarien plane ist grob immer das gleiche. Bei Standardterrarien wird die Bodenplatte nach der jeweiligen Endgröße des Terrariums dimensioniert. Front, Seiten- und Rückwände also darauf aufgebaut. Zwar könnte die Bodenplatte auch von den Seiten eingefasst werden, dies hätte aber optische Nachteile. Auf der Grundplatte aufbauend kann bequem und unsichtbar von unten verschraubt werden. Bei Terrarien mit schräg eingebautem Boden, gerne auch Dendrobatenterrarien genannt, ist es ein wenig aufwendiger. Gut eingepasst lässt sich mit PVC-Winkeln dafür sorgen, dass ringsherum alles Dicht ist. Bei größeren Terrarien ist es aber dennoch zu empfehlen die Bodenplatte an die Seitenwände zu schrauben.

Bei der Verwendung von ‚Forex‘[1] hatte ich die untere Frontpartie sowie die stützenden Seitenrahmen prinzipiell doppelt ausgeführt, damit das von mir verwendete Schiebetürsystem genügend Auflagefläche findet und die Scheiben links und rechts einen sicheren Abschluss finden. Unter Verwendung der ‚Kömacel‘[2] Platten und der Planung von Schwenkscheiben ist dies erst einmal obsolet geworden. Bei Terrarien, die höher als 80cm sind, ist links wie rechts jedoch nach wie vor ein zusätzlicher Steg vorzusehen, hinter dem Metallwinkel versteckt angeschraubt werden können. Siehe hierzu die nebenstehende Konzeptzeichnung. Bei Planung einer Schwenkscheibe wird diese Bauform jedoch etwas komplizierter. In Zukunft werde ich diesbezüglich aber noch Erfahrung sammeln, dann weiter berichten und ebenso einen praktikablen Lösungsansatz erarbeiten.

Der „Top-Bereich“ besteht in diesem Beispiel im vorderen Teil aus einem acht bis zehn Zentimeter breiten Streifen, auf den ein Stahl-Winkel aufgeschraubt wird, sowie später die Durchführungen für die Beregnungsanlage eingeschraubt werden. Seiten und im hinteren Bereich je fünf bis zehn Zentimeter, sowie einem sieben bis zehn Zentimeter breiten Steg über einer eventuellen Trennwand in Doppelterrarien, auf welchen später die Gaze befestigt wird. Hier kann je nach Größe auch variiert werden für mehr Stabilität oder der Möglichkeit später eine Beregnungsanlage tiefer in den Raum zu installieren. Da im Lichtkasten mit hoher Feuchtigkeit zu rechnen ist, verwende ich hier einen pulverbeschichteten Stahlwinkel, der erheblich steifer als Aluminium ist und dem Korpus die notwendige Formstabilität verleiht. Zudem bieten diese Winkel die Möglichkeit, Leitungen aller Art daran zu befestigen ohne dass zusätzlich gebohrt oder geschraubt werden muss. Diverse Feinarbeiten werde ich im späteren Verlauf noch ansprechen. Der Lichtkasten selbst besteht mittlerweile lediglich aus Front- und Seitenteilen, die entweder am Terrarienregal mittels Schrauben oder Möbelmagneten und Scharnieren befestigt werden. Um einen besseren Luftaustausch zu gewährleisten habe ich bewusst auf eine Rückwand im Lichtkasten verzichtet. Die ursprüngliche Überlegung war einst, so Spinnen fernhalten zu können. Dies hat jedoch nie nennenswert funktioniert und darüber hinaus weitere Nachteile mit sich gebracht.

  • Schnell gearbeitet: In nur zwei Stunden fast fertig.

  • Winkelklemmen helfen bei der exakten Positionierung

  • Auch Spann- und Schraubklemmen sind wichtige Helfer um Bauteile sicher miteinander verbinden zu können.

  • Vorbereitet zum Verbinden: Aufgebrachter "Tangit" und angesetzte Schraube

Was nach viel Arbeit klingt, ist eigentlich nur Planungssache. Haben Sie sich also ausgiebig mit ihrer Konstruktionsplanung beschäftigt und sind damit zufrieden, benötigen Sie natürlich noch das richtige Werkzeug.

Wie erwähnt, können PVC Platten ähnlich wie Holz bearbeitet werden. Hierbei sollten Sie beachten, dass stets vorgebohrt werden und keine zu dicken Schrauben verwendet werden sollten. Je nach Position kommen bei mir Schrauben von 20-40mm Länge und einer Dicke von 3,5mm bis 4mm zum Einsatz. Vorgebort wird mit 2,5mm. Damit die Bauteile sicher und dicht miteinander vereint werden, nutze ich den THF-haltigen [3] PVC Kleber „Tangit“ der Firma Henkel, welcher die Oberflächen anlöst und bei Kontakt kalt verschweißt oder direkt reines THF [3]. Die Dämpfe sind sehr unangenehm und gesundheitsschädlich, weshalb damit stets im Freien oder in gut belüfteten Räumen gearbeitet werden sollte.
Wichtigste Werkzeuge sind Winkelspanner, diverse Spann- und Schraubklemmen, Akkuschrauber, Pinsel sowie helfende Hände. Insbesondere große Bauteile wie die Rückwand lassen sich zu zweit wesentlich besser einpassen als dies alleine möglich wäre.

Sind alle Teile geordert, kann innerhalb von nur zwei bis drei Stunden der komplette Korpus fertig gestellt werden. Ein zweites paar Hände sind hierbei sehr hilfreich, denn sobald die zu verbindenden Flächen aufeinandertreffen muss es schnell gehen, vor allem wenn zwei Kanten einer Platte gleichzeitig bearbeitet werden. Zunächst werden die außenliegenden Schrauben eingedreht und bündig in den Platten versenkt. Von dort arbeitet man sich dann nach innen vor, wobei eine zweite Person für Sie die Platten in die richtige Richtung drückt um einen passgenauen Abschluss zu bilden.
Sollte bei diesem Arbeitsgang PVC Kleber aus den Verbindungen treten, empfehle ich Ihnen diesen zunächst so zu belassen. Sobald er ausgehärtet ist, kann er mit einem scharfen Messer oder Stemmeisen sauber abgeschnitten werden. Auf überstehender Slideshow sehen Sie unter Anderem ein Doppelterrarium, bei welchem bis auf die Frontpartien und die seitlichen Teile des Top-Bereiches alles fertig montiert wurde. Der Weg bis hier hin ist wesentlich einfacher als es den Anschein hat. Mit Winkelspannern werden die Teile vorpositioniert und bei passgenauem Sitz die Löcher vorgebohrt. Anschließend wird entlang der Kontaktflächen PVC Kleber aufgebracht und Schrauben angesetzt.

Längere Pausen zwischen dem Anbringen weiterer Bauteile sind nicht von Nöten. Die Schrauben dienen hier lediglich als Fixierung der Platten, nicht nennenswert der Stabilität. Bevor Sie jedoch zu weiteren Baufortschritten übergehen, kontrollieren Sie das Ergebnis der eben gefertigten Verbindung. Wenn Sie feststellen, dass Sie ihre Schrauben zu weit auseinandergesetzt haben und es kleine Spalte in den Klebestellen gibt, sollten Sie nochmals an entsprechender Stelle vorbohren und weitere Schrauben einbringen. Nur absolut bündig verschweißte Elemente sind dauerhaft stabil und vor allem Wasserdicht. Wer mehr Stabilität wünscht oder benötigt, kann Aluminiumprofile wie auf einigen der gezeigten Bilder verbauen. Dazu empfehle ich jedoch, zusätzlich PVC L-Winkel in den Ecken einzukleben um für langfristige Dichtigkeit zu sorgen.

Sobald der Rohkörper steht, empfehle ich Ihnen die Rückwand einzubauen. In früheren Versuchen war dies mein letzter Arbeitsgang, der oft die Gaze sowie freiliegende Platten unschön mit Klebe- und Farbresten bedeckt hat. Freiliegende Flächen sollten dabei großzügig abgeklebt werden. Anschließend wird die Lüftungsgaze zunächst eingetackert, die Ränder danach mit flachen PVC-Profilen sauber umrandet. Als Gaze verwende ich V2A Drahtgewebe mit 0,16mm Drahtstärke und 0,65mm Maschenweite. Die Lüftung an der Front wird seit dem Umstieg auf ‚Kömacel‘-Platten [2] mit runden Möbellüftungsgittern aus PVC realisiert. Auf die Innenseite der Terrarienfront wird ebenfalls Gaze eingetackert und mit in reinem THF [3] gelösten PVC ringsherum fest eingefasst. Dies jedoch erst nachdem die Frontpartie samt bereits eingeschweißten Möbellüftungsgittern lackiert wurde.

Eingetackerte Gaze
Mit PVC-Profilen umrandete Gaze
Frisch lackierte Terrarienfront
Lüftungsgitter von Innen

In meinen Bauvorhaben ist der letzte Schritt mittlerweile das Einpassen der Scheiben. Wie angesprochen sind Schwenkscheiben mittlerweile mein Mittel der Wahl. Zunächst hatte ich „echte“ Glasscharniere angedacht, in welche ich die Scheiben einspannen wollte. Aus Erfahrung kann ich Ihnen nun mitteilen, dass es aus meiner Sicht für diesen Einsatzbereich keine verwendbaren Fertigprodukte gibt. Zumindest nicht in bezahlbarem Rahmen. Daher habe ich mich dazu entschieden, simple Edelstahl-Möbelscharniere zu verwenden, welche ich an die Seitenwand verschraube und die Glasplatte mittels Aquariensilikon einklebe. Bei diesem Vorgang helfen Unterleghölzchen beim Ausrichten der Scheiben ungemein. Ebenso helfende Hände und Klebeband. Um die unschönen Schraublöcher im Sichtbereich des Glases zu kaschieren, habe ich ein Stück PVC darüber geklebt. Dies ergibt einen sauberen Abschluss.
Im Innenbereich des Terrariums werden PVC-L-Winkel angebracht, die einen Tiefenanschlag bieten, sowie die Scheiben rundherum für Futterinsekten und Terrarienbewohner abdichten.
Damit die Scheiben zuhalten, wurde in die Griffe, welche ebenfalls mit Silikon auf die Scheiben geklebt wurden, Magnete eingebohrt bzw. dazwischen geklebt, die durch einen weiteren Magneten hinter den PVC-L-Winkeln angezogen werden. Im inneren des Terrariums befindet sich ein rechteckiger Magnet mit 10x10x2,5mm der nach Herstellerangaben 6 Kg Zugkraft aufweist. Auf der Außenseite der Scheibe ist ein runder Magnet angebracht, der eine Zugkraft von 4,5 Kg haben soll. Die Scheiben halten sehr gut in Position und dürften von kleinen Amphibien und Reptilien nicht aufzubekommen sein. Dennoch habe ich zusätzlich am oberen Scheibenende einen Sicherheitsriegel angebracht, der ein Aufdrücken der Scheiben zuverlässig verhindert. Er besteht schlicht aus einem halbrunden Stück PVC, welches in der Mitte mittels einer kleinen Schraube befestigt wurde.

Klebeband und Ausgleichsscheiben helfen beim Einbau
Kunststoffblende für die Scharniere
Mit Silikon befestigte Türgriffe
Beschichteter und unbeschichteter Magnet

Weitere Möglichkeiten:

PVC-Platten bieten, neben der einfachen Gestaltung von Grundkörpern, auch die Möglichkeit innerhalb von Terrarien widerstandsfähige, bauliche Maßnahmen zu ergreifen. Auch hier macht sich die einfache Handhabe des Materials bezahlt. So wurde zum Beispiel der Landteil der Bombina orientalis mittels Forexresten aufgebaut und später mit faserverstärktem Harz zusätzlich versiegelt. Dichtschlämme sorgt für eine natürlichere Optik, sowie dafür, dass der Bodengrund nicht in den Wasserteil abrutscht und die Tiere im Uferbereich einen griffigen Untergrund finden um an Land zu gelangen. Machbar sind so auch Filtersysteme, Pumpenschächte oder einfache, später in die Rückwand integrierte, Höhlen.

Resultat, Resümee und Aussicht

Links sehen Sie nun ein fertig gebautes Terrarium aus PVC-Platten. Lediglich die Lichtkastenblenden fehlen noch, sowie der Sicherheitsrigel. Mit dieser Bauweise bin ich nahezu an dem dran, was ich als perfekte Bauweise für moderne, artgerechte Terrarien ansehen würde. Der Umstieg von ‚Forex‘ zu ‚Kömacel‘ war definitiv die Richtige Entscheidung hinsichtlich der Stabilität und lackierbarkeit. Ebenso sind eingeschnittene Gewinde bei weitem nicht so empfindlich wie beim Forex-Pendant. Die Entscheidung, auf Schwenkscheiben mittels Scharnieren zu setzen hat sich sowohl optisch, als auch hinsichtlich Reinigung und Ausbruchssicherheit von Futtertieren bezahlt gemacht und rechtfertigt den Mehraufwand, die Scheiben passgenau einzubauen, in allen Punkten. Die Kosten für ein Schiebetürsystem entfallen an dieser Stelle natürlich ebenfalls. Und was für mich einer der wichtigsten Punkte an dieser Sache ist, ist der Spaß. Der Spaß etwas selbst zu entwerfen und umzusetzen, sich für Probleme Lösungen zu erarbeiten. Die Wertschätzung für die Terrarien wird so nochmal um einiges Größer, als wenn lediglich ein Glaskasten gekauft und eingerichtet wird. Daher möchte ich Sie an dieser Stelle dazu ermutigen, in Zukunft ebenfalls auf PVC-Terrarien zu setzen und sich handwerklich zu betätigen.

In zukünftigen Projekten, wann auch immer diese Stattfinden werden, werden die nun gemachten Erfahrungen ebenfalls wieder einfließen und optimiert. Ich habe da schon ein paar Ideen, vor allem was die Optik der Frontseite anbelangt, denn das triste Weiß ist doch auf Dauer etwas… Trist…

Weiterführendes

[1] Informationen zu ‚Forex‘ finden Sie hier: Kunststoffterrarien
[2] Informationen zu ‚Kömacel‘ finden sie hier: Kunststoffterrarien
[3] Bitte beachten Sie die Gefahrenhinweise!